Geiseln erzählen: "Es war einfach Horror"

26. Oktober 2002, 08:08
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Familie Schkolnikow berichtet aus dem Theater

Moskau/Hamburg - Für die russische Ärztin Maria Schkolnikowa, ihren Ehemann und Sohn ist das Geiseldrama von Moskau unblutig zu Ende gegangen. Zuerst wurde ihr Sohn Maxim, dann der Vater und am Donnerstag auch sie freigelassen. Maria Schkolnikowa, die am Vortag vor laufenden Kameras einen Appell der Geiseln an die Behörden mit der Bitte von einer Erstürmung abzusehen, verlesen hatte, beschrieb zusammen mit ihrer Familie in der ARD-Sendung "Brennpunkt" am Freitagabend den Albtraum, den sie durchlebten.

"Das war einfach Horror", sagt ihr Sohn. Und der Vater fügt hinzu: "Ich muss immer an die Menschen denken, die noch dort sind." Einen Tag nach ihrer Freilassung war die Ärztin, deren Mann als Wissenschafter in Rostock arbeitet, bereits wieder im Dienst, um sich in einer Moskauer Klinik um herzkranke Kinder zu kümmern.

"Wir haben zuerst nicht verstanden, dass das alles real ist", sagte Sohn Maxim in einem Interview im ARD-Büro in Moskau. "Wir haben gedacht, dass das zu dem Spiel gehört." Angst habe sie nicht gehabt, sagt die Mutter, nachdem ihr Sohn freigekommen sei. "Das Schlimmste ist, dass immer noch Menschen da sind." Auf die Frage, ob die Geiseln etwas zu essen bekommen hätten, sagte sie: "Ich habe in der ganzen Zeit nichts gegessen. Ich hatte auch keinen Hunger. Es gab Wasser. Es gab Schokolade. Und es gab Zwieback (...) Aber ich konnte nichts essen. Und viele andere Leute konnten auch nichts essen. Die haben nur getrunken." (APA/dpa)

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    Für Maria Schkolnikowa ist das Geiseldrama zu Ende

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