Maryland will Heckenschützen-Verdächtige anklagen

26. Oktober 2002, 17:01
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Ort des Prozesses noch nicht klar - Mutmaßliche Verbrechen auch in Virginia, DC und Alabama

Washington - Die beiden Donnerstag früh verhafteten Männer, die als Verdächtige der Heckenschützen-Morde gelten, sollen im US-Bundesstaat Maryland wegen sechsfachen Mordes angeklagt werden. Gegen den 42-jährigen ehemaligen Soldat John Allen Muhammed werde die Todesstrafe beantragt, sagte der Staatsanwalt des Bundesstaats, Douglas Gansler, am Freitag. Für Muhammeds mutmaßlichen Komplizen, den 17-jährigen John Lee Malvo, solle Erwachsenen-Strafrecht gelten, gegen ihn werde aber nicht die Forderung der Todesstrafe erhoben. Wo der Prozess gegen die beiden Männer jedoch tatsächlich stattfindet ist noch unklar.

In Maryland wurden sieben der 14 Schussattentate verübt. Weitere Morde wurden im angrenzenden Bundesstaat Virginia sowie in Washington DC verübt. Seit 2. Oktober starben durch die Schussattentatte im Großraum Washington DC zehn Menschen, drei weitere wurden teils schwer verletzt.

Zuvor hatte sich bereits der Gouverneur des US-Bundesstaats Virginia, Mark Warner, für die Hinrichtung der mutmaßlichen Heckenschützen von Washington ausgesprochen. Auch in Alabama, wo die beiden Männer des Mordes an einer Frau verdächtigt werden, könnten sie vor Gericht gestellt werden.

Derzeit befinden sie sich im Gewahrsam der US-Bundesbehörden im Gefängnis.

Weiter Spekulationen über Motiv

Über das Motiv der Heckenschützen wurde weiter gerätselt. Die "Washington Post" veröffentlichte am Samstag die Faksimile-Kopie eines Briefs der "Sniper", den sie nach dem vorletzten Anschlag in der Nähe eines Steakrestaurants im Bundesstaat Virginia hinterlassen hatten. In dem Handschreiben fordern die Täter die Überweisung von zehn Millionen Dollar auf ein Konto, das an eine gestohlene Kreditkarte gekoppelt war.

In wütendem Ton beschweren sich die Heckenschützen dann, dass sie bereits mehrfach versucht hätten, die Polizei und auch den Nachrichtensender CNN zu telefonisch zu erreichen, sie aber niemand Ernst genommen habe. Am Ende des Briefes drohten sie: "Eure Kinder sind nicht sicher, ganz gleich wo und ganz gleich wann."

Die Bevölkerung im Großraum Washington feierte unterdessen ihre wiedergewonnene Freiheit. Eltern genossen es endlich, wieder mit ihren Kindern unbesorgt das Haus verlassen zu können. Autofahrer tankten wieder ohne Angst, und die Einkaufszentren vor den Toren der Stadt füllten sich wieder. (APA)

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