Die Arbeit soll wieder Spaß machen

25. Oktober 2002, 18:05
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In Deutschland bezeichnen sich lediglich 16 Prozent der Arbeitnehmer als "loyal und zufrieden". Auch in Österreich sinkt die Arbeits-zufriedenheit merklich. Unterstützung bei der "Sinnfindung" soll im nächsten Jahr ein Pilotprojekt der Friedensuni geben

Vor rund 20 Jahren hatten Motivforscher noch behauptet, Duftstoffe und leise Musik in den Toiletten erhöhe die Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Und: Zufriedene Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer leisteten mehr. Letzteres gilt nach Meinung der Experten und Betroffenen noch immer. Inzwischen können sie das auch mit Zahlen belegen.

Auch für die Berufstätigen selbst hat Unzufriedenheit beträchtliche Folgen. Laut einer finnischen Langzeitstudie ist die Gesundheit von "normalen" Angestellten wesentlich gefährdeter als die von Managern. Besonders Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und Angst um den Job erhöhen Stressfaktoren und damit das Risiko von Herz- und Kreislauferkrankungen.

Die deutsche Gewerkschaft ver.di hat eine eigene Kampagne unter dem Motto "Arbeit muss wieder Spaß machen" geplant. "Die Zauberformel heißt: Gleichgewicht schaffen. Biologisch richtig ist, Lust nicht erst am Ergebnis, sondern bereits auf dem Weg dahin zu erreichen. ver.di sollte dazu beitragen, dass die Arbeitswelt so organisiert wird, dass Lust auf Leistung entsteht", erklärt Holger Malterer von der Projektgruppe Gesundheitsschutz der deutschen Dienstleistungsgewerkschaften.

Sinnerfüllung im Job

Mit einem ähnlichen Ansatz entwickelte ein Fachbeirat der Fördergemeinschaft zur Gründung einer Friedensuniversität (siehe Wissen) das Orientierungssemester "Sinnerfüllte Arbeitswelten", das kommenden Sommer starten soll. Projektleiterin Gerda Bindoni umreißt dessen Ziele: "Es sollen Menschen unterstützt werden, einen Beruf zu wählen, der mit Sinngebung verbunden ist, und einen Arbeitsplatz zu finden, der es dem Einzelnen ermöglicht, seine Berufung zu leben."

Wie soll dies erreicht werden? Ein halbes Jahr lang sollen etwa 20 Menschen, die sich in einer Phase der beruflichen Umorientierung befinden, lernen und üben:

  • wertschätzenden und anerkennenden Umgang mit sich selbst und anderen
  • Veränderungen zu handeln
  • ein persönliches Leitbild zu entwickeln
  • den Arbeitsplatz selbst mitzugestalten
  • wertschätzend und zielführend zu kommunizieren.

Das Programm enthält eine Intensiv-Ausbildungsphase sowie "Training on the Job" und wird von erfahrenen Coaches begleitet. Das Orientierungssemester endet mit einer Reflexionswoche. Zudem wird dieses Pilotprojekt vom Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung wissenschaftlich begleitet und evaluiert.

Gerda Bindoni, die mit ihrer "Sinnwerkstatt" auch Unternehmen berät, über das Ziel der eigenen Orientierung: "Da die Tätigkeit des Einzelnen heute unmittelbare Auswirkungen auf den zukünftigen Erfolg des Unternehmens hat, braucht es ein Verständnis für den eigenen Beitrag im Unternehmensprozess."

Nicht zu trennen davon ist jedoch die innere Orientierung, die ganz besonderen Stärken, die sowohl in jedem Menschen als auch in jedem Unternehmen einzigartig sind. Im Zusammenwirken mit dem Marktbedarf ergibt sich daraus die eigentliche USP (Unique Selling Proposition), die Menschen und Unternehmen erfolgreich macht. (Astrid Zimmermann/DER STANDARD, 25./26./27.10.2002)

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    grafik: der standard

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