Boomerang für Emittenten

25. Oktober 2002, 16:59
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Bei anhaltender Börsenbaisse könnten Wandelanleihen Unternehmen teuer zu stehen kommen

Frankfurt/Wien - Viele Unternehmen, die in den vergangenen Jahren Wandelanleihen begeben haben, könnten dies noch bereuen. Da eine nachhaltige Markterholung nicht in Sicht ist und viele Anleihen im kommenden Jahr fällig werden, müssen sie mit erheblichen Rückzahlungsforderungen rechnen. "Für einige Unternehmen dürfte es demnächst schwierig werden", sagt Ilona Hasselbring, Analystin bei der Berenberg Bank, zur Nachrichtenagentur Reuters. In vielen Fällen sei das Kalkül nicht aufgegangen, die Wandelanleihe durch die Ausgabe eigener Aktien bezahlen zu können.

Saurer Apfel

"Im kommenden Jahr werden Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 15 Mrd. Euro fällig", sagt Armin Weißenegger von der Landesbank Baden-Württemberg, "immerhin 15 Prozent des derzeitigen Volumens aller in Euro emittierten Wandelanleihen. Wenn die Märkte so schwach bleiben, dann werden die Unternehmen in den sauren Apfel beißen und die Anleihen zurückzahlen müssen."

Wandelanleihen machen zum Beispiel rund ein Siebtel der Nettoverschuldung von France Telecom aus: "Die Gesamt-Nettoverschuldung liegt bei 70 Mrd. Euro. Und davon sind knapp 11 Mrd. über Wandelanleihen finanziert", erläutert Berenberg-Analystin Hasselbring. Von diesen 11 Mrd. werden wiederum gut 3 Mrd. Euro bis Juni 2003 fällig, die in Aktien des Tochterunternehmens Orange getauscht werden können. "Für den Anleger lohnt sich die Wandlung aber erst, wenn die Orange-Aktie bei 12,7 Euro steht. Der Kurs müsste sich also verdoppeln", sagt Hasselbring. "France Telecom wird die Anleihe wahrscheinlich zurückzahlen müssen. Für das Unternehmen wäre eine Wandlung viel besser gewesen."

Drei Möglichkeiten

"Den Unternehmen bleiben drei Möglichkeiten, wenn eine Wandelanleihe ausläuft", sagt Thomas Köhler, Fondsmanager bei Warburg Invest. "Sie können sich über Bankkredite oder über normale Unternehmensanleihen refinanzieren." Beides werde teuer sein - unter anderem deshalb, weil der Kupon normaler Unternehmensanleihen deutlich über dem von Wandelanleihen liegt. Als dritte Möglichkeit bleibt die Refinanzierung durch neue Wandelanleihen. "Da müssen die Unternehmen aber günstige Konditionen bieten. Auf die Anleger kommen gute Zeiten zu", meint Köhler.

An der Wiener Börse notieren nur wenige Wandelanleihen mit längeren Restlaufzeiten. Emittenten sind Immofinanz Immobilien, CLC, RHI, die Bank Austria Wohnbaubank und die Hypo-Wohnbaubank.

Niedrige Verzinsung

Eine Wandelanleihe ist eine niedrig verzinste Anleihe, die mit einem Wahlrecht ausgestattet ist. Der Anleger kann bei Fälligkeit entweder die Rückzahlung des zur Verfügung gestellten Kapitals verlangen. Oder er lässt sich stattdessen eine festgelegte Anzahl Aktien des emittierenden Unternehmens geben. Dem Anleger bietet die Wandelanleihe die Sicherheit eines festverzinslichen Wertpapiers und die Chancen einer Aktie. Dafür muss er eine niedrige Verzinsung in Kauf nehmen.

Dem Unternehmen bietet die Anleihe eine preiswerte Finanzierungsform. Vor allem spekulieren die Unternehmen bei der Emission auf steigende Aktienmärkte. Dann müssen sie bei Fälligkeit der Wandelanleihe nicht das geliehene Kapital zurückgeben, sondern können in eigenen Aktien zahlen. In diesem Fall wird das Fremdkapital durch Eigenkapital ersetzt, die Bilanzstruktur der Unternehmen bessert sich und die Kreditwürdigkeit steigt. (APA)

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