Gulaschkanonenfutter, Hubschrauber und Politiker

26. Oktober 2002, 15:05
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Nationalfeiertag: 300.000 Schaulustige füllen Heldenplatz

Wien - Mit mehr als 300.000 haben Bundesheer und Polizei am Samstag um 13.30 Uhr die Besucherzahl bei der Leistungsschau des Heeres am Wiener Heldenplatz angegeben. Star des Tages war der neue "Black Hawk"-Hubschrauber des Heeres, der von außen und innen besichtigt werden konnte. Neben dem Militär präsentierten auch die wichtigsten zivilen Hilfs- und Rettungsorganisationen sich und ihr Gerät.

Klestil

Klestil warb anlässlich der Angelobung von 1.100 Rekruten am Heldenplatz um Unterstützung für das Heer: "Die Menschen dieses Landes haben ein Recht darauf, in Sicherheit und Frieden zu leben. Geben wir dem Bundesheer auch in der Zukunft die Chance, dafür zu sorgen". Eine den Anforderungen entsprechende Ausrüstung zu sichern sei eine Investition "in unsere Freiheit und Unabhängigkeit".

Schüssel

Auch Schüssel betonte die Notwendigkeit von Ausgaben auf diesem Sektor: "Sicherheit ist ein höchst sensibles Gut. Keine Politik kann hundertprozentige Sicherheit garantieren. Aber wir können Rahmenbedingungen für Sicherheit schaffen". Bedrohungen seien ernst zu nehmen "und wir müssen hartnäckig und nachdrücklich daran arbeiten, dass wir Instrumente und Mittel haben, um solche Bedrohungen verhindern zu können", erklärte der Bundeskanzler.

Scheibner

Eine Mahnung sprach Verteidigungsminister Herbert Scheibner (F) aus. In Richtung der zahlreich am Heldenplatz erschienen Politiker meinte der Freiheitliche, er hoffe in Hinkunft auf einen nationalen Konsens, wenn es darum gehe, dem Heer die nötige Infrastruktur und Mittel zur Verfügung zu stellen. Generell sollte die Sicherheitspolitik aus der "Parteienpolemik" herausgehalten werden.

Gusenbauer

Die Opposition wandte sich in ihren Nationalfeiertags-Stellungnahmen vor allem dem Thema Neutralität zu. Diese solle im Sinne von europäischem Engagement, gelebter Solidarität und aktiver Friedenspolitik ausgefüllt sein, meinte SP-Chef Gusenbauer. Eine Anbindung an die NATO lehnte er ab. Auch die Grünen wollen die Neutralität beibehalten. Zusätzlich solle mit den übrigen neutralen und bündisfreien Staaten der EU eine gemeinsame Position entwickelt werden, die den Krieg als Mittel der Politik ächte.

Alle wollen Black Hawks sehen

Mit ein Grund für den guten Besuch der bereits Tradition gewordenen Veranstaltung war wohl das warme und schöne Wetter. Der Sonnenschein wurde nur von kurzen Regenschauern unterbrochen.

Großes Interesse der Besucher gab es wie immer für die Panzer und Hubschrauber des Bundesheeres. Vor allem vor letzteren bildeten sich lange Schlangen von Schaulustigen, welche die Fluggeräte auch von innen besichtigen wollten.

Eurofighter nur als Papierflieger

Nur kurz zu sehen waren hingegen die Abfangjäger. In einer Viererformation überflogen die Draken - gefolgt von vier Saab 105-Trainingsflugzeugen - nach Mittag den Heldenplatz. Der Eurofighter, dessen Ankauf von der Regierung auf Eis gelegt wurde, war hingegen nur in einer Hochglanzbroschüre des Bundesheeres zu sehen, in welcher der Eurofighter als "Herrscher der Lüfte" angepriesen wurde. Die passive Luftraumüberwachung präsentierte sich ausführlicher: Zwei mobile Radarstationen mit ihren hohen Aufbauten waren nicht zu übersehen.

Weltrekordversuch und Verlosung

Neben der Information kam aber auch die Unterhaltung nicht zu kurz. Großen Anklang bei den Kindern fanden etwa die Kletterwände, an denen sie ihre Künste probieren konnten.

Zu sehen gab es auch einen Weltrekordversuch: Oberstleutnant Roland Kleinpaul von der Fliegerdivision war bereits am Freitagnachmittag zu einem Weltrekordversuch gestartet und wollte in 24 Stunden auf dem Laufband 210 Kilometer laufen. Der Offizier sammelte mit seiner Aktion auch Spenden für die Familie Baumgartner aus Wallsee in Niederösterreich: Ihr Haus war dem Hochwasser im August zum Opfer gefallen, im Zuge der Heeresveranstaltung hat sie ein Fertigteilhaus gewonnen, das vor dem Burgtor auch präsentiert wurde.

Wahlkampf am Rand

Schließlich gab es auch etwas Wahlkampf, nicht nur in Form von Politikerbesuchen: Vor dem Burgtor war der ÖVP-Wahlkampfbus geparkt, Mitarbeiter der Volkspartei verteilten Folder. Auch die Demokraten von Abfangjäger-Gegner Rudolf Fußi waren mit einem Informationsstand vertreten. (red/APA)

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    Heuer trafen sich Klestil und Scheibner schon einmal am Heldenplatz: Anlässlich des 10-jährigen Amtsjubiläums des Bundespräsidenten zeigte unser Heer im Juli, was es so drauf hat. In der Pause gönnte man sich ein Gulasch.

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