Stockholm-Syndrom

25. Oktober 2002, 16:13
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Hamburg - Bei lang andauernden Geiselnahmen vergangener Jahre ist wiederholt das so genannte Stockholm-Syndrom beobachtet worden. Für Außenstehende auf den ersten Blick unverständlich, entwickeln die Opfer in der lebensbedrohlichen, als ausweglos empfundenen Situation Sympathie für die Täter oder solidarisieren sich sogar mit deren Zielen. Das Phänomen ging 1973 nach einem Banküberfall in der schwedischen Hauptstadt in die wissenschaftliche Literatur ein, als sich dort ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Geiselnehmern und Opfern entwickelt hatte.

Bei dem auch bei den Tätern zu beobachtenden Syndrom handelt es sich um einen unterbewussten psychologischen Schutzmechanismus. Vor dem Gefühl, ausgeliefert zu sein, schützen sich die Betroffenen seelisch dadurch, dass sie sich mit ihren Peinigern identifizieren. Diese Bindung kann auch nach dem Ende der Gefahr weiter bestehen. In Extremfällen stellen sich die Geiseln bei ihrer Befreiung sogar vor ihre Entführer und sehen die Polizei als Bedrohung an.

Beobachtet wurde das Syndrom etwa 1996/97 bei einigen der weit mehr als 400 Geiseln von linksgerichteten peruanischen Guerillas in der japanischen Botschaft in Lima. Prominent war der Fall der 1974 verschleppten 19-jährigen Tochter Patty des US-Verlegers Randolph Hearst, die sich ihren Entführern anschloss. Aufsehen erregte auch das Foto einer Umarmung zwischen der 1996 in Costa Rica gekidnappten Deutschen Nicola Fleuchaus und einem ihrer Entführer. (APA/dpa)

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