Kasper: "Für das Publikum alles sehr einfach"

25. Oktober 2002, 16:07
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FIS-Präsident Gianfranco Kasper verteidigt im Interview die neuen Startregelungen und sieht nicht die Spur einer Krise im Skisport

Sölden - Mit Veranstaltungen in den Tiroler Alpen und in den deutschen Großstädten Berlin (Snowboard) und Düsseldorf (Langlauf) will der Internationale Skiverband (FIS) am letzten Oktober-Wochenende den Skisport in das Bewusstsein der Menschen zurück bringen. In Sölden, wo der Alpin-Weltcup mit Riesentorläufen für Damen (Samstag) und Herren (Sonntag) beginnt, erfolgte am Freitag beim Forum Alpinum der Startschuss in eine Saison mit vielen wirtschaftlichen Sorgen und Neuerungen. FIS-Präsident Gianfranco Kasper nahm dabei zur aktuellen Situation Stellung.

Praktisch jeder Bereich leidet unter der Rezession, auch der Sport. Hat auch der Skisport eine Krise?

Kasper: Sicher nicht, ganz im Gegenteil. Es ist klar, dass manche Orte wegen des Kirch-Konkurses usw. Probleme mit dem Fernsehen haben. Wenn ich aber sagen kann, dass wir 57 Interessenten für das Titelsponsoring des Alpin-Weltcups hatten, zeigt das doch, dass von Krise im Moment keine Spur sein kann. Sorgen haben wir eher wegen der kleinen Orte, die gewisse Probleme mit der Finanzierung haben. Die Millionen bekommst du, schwierig wird es auf der unteren Ebene."

Der Skisport steht also im Vergleich zu anderen gut da? Kasper: "Das könnte man sagen. Ich will uns nicht mit allen vergleichen, aber wenn wir davon reden was gemeint ist, also Fußball, muss ich sagen ja. Der Grund ist, dass wir außer im Alpinbereich langfristige Verträge haben und deshalb von der Rezession nicht betroffen sind. Würden wir derzeit freilich neu verhandeln müssen, würde es wohl anders aussehen."

Sportlich wurde viel geändert, vor allem die 30er-Regel in den Speed-Disziplinen sorgt für Aufregung. Kasper: "Es ist ähnlich wie damals, als wir das auch im Slalom und im Riesentorlauf gemacht haben. In der Praxis hat es aber sofort jeder begriffen. Gefordert sind eher die Logistiker im Hintergrund, für das Publikum wird alles sehr einfach. Denn für das Publikum ist es egal, ob der Champion mit Startnummer neun oder 27 kommt."

Mit der neuen Startreihenfolge will man den Skisport attraktiver machen und die Menschen länger vor dem TV-Schirm halten. Aus Österreich hagelte es aber Kritik, dass die besten Sportler dafür bezahlen müssen. Kasper: "Ich habe damals die Diskussion in den technischen Disziplinen verstanden. Aber mit der heutigen Pisten-Präparierung kann man in Super G und Abfahrt Verhältnisse schaffen, dass die Nummer 20 die genau gleichen Verhältnisse hat wie die Nummer eins. Außerdem fahren die Besten ja ohnehin wieder praktisch in der gleichen Gruppe und damit bei gleichen Bedingungen."

Die Sorge des ÖSV ist, dass damit Seriensieger verloren gehen und die Helden, von denen der Sport lebt, kaputt gemacht werden. Kasper: "Prinzipiell verstehe ich diese Sorgen. Aber diese Regel geht nicht gegen Österreich. Ich glaube, dass ganz im Gegenteil der Held ein noch größerer ist, wenn er zum Schluss kommt und alles abrasiert. Wenn der Eberharter bisher mit sieben gewonnen hat, war's vorbei und niemand hat es mehr interessiert. Sollte er per Zufall heuer nicht so gut fahren, kann man das sicher nicht der Startreihenfolge in die Schuhe schieben. Wir haben ja wie zudem die Startzeiten (frühere Beginnzeiten) so geändert, dass auch die Besten bei optimalen Bedingungen fahren."

Womit aber wieder weniger Zuschauer vor dem TV sitzen werden. Kasper: "Bei einem Freitag-Rennen ist das gut möglich, am Wochenende sollten es aber deshalb sogar mehr sein. Wir müssen uns das ansehen." (APA)

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    Gianfranco Kasper

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