Krank aus Angst vor dem Arzt

25. Oktober 2002, 15:15
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Rund drei Prozent aller Patienten verschleppen Infektionen oder behandeln sich selbst auf unzulängliche Weise

Augsburg - Sie verschleppen Infektionen und Entzündungen, behandeln sich selbst oder betäuben Schmerzen mit Alkohol: Rund drei Prozent aller Patienten leiden an einer Blut-, Verletzungs- oder Arztphobie, wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde berichtet. Und im Unterschied etwa zur Spinnenphobie fallen viele der Patienten nach Angaben der Experten tatsächlich in Ohnmacht, wenn sie mit der gefürchteten Situation konfrontiert werden. Dennoch wüssten die wenigsten, dass die panische Angst vor Blut, Spritzen und Bohrern eine ernst zu nehmende und behandelbare Krankheit sei.

"Die meisten unserer Patienten kommen erst in psychotherapeutische Behandlung, wenn sie es vor Schmerzen nicht mehr aushalten", sagt Eni Becker von der Ambulanz für Psychotherapie der Psychiatrischen Klinik der Technischen Universität Dresden. Mit einer kombinierten Therapie könnten solche Blut- und Arztphobien innerhalb kürzester Zeit geheilt werden. Dabei lerne der Patient zunächst, durch sekundenschnelles Anspannen der Muskeln seine Ohnmachtsanfälle unter Kontrolle zu bringen. Erst wenn er die so genannte angewandte Anspannung beherrsche, könne mit der eigentlichen Psychotherapie begonnen werden.

Im Rahmen dieser Therapie wird der Patient nach Angaben Beckers mit Bildern und Videos von Arztszenen konfrontiert, so dass er schrittweise lernt, diesen Reizen standzuhalten. "Innerhalb von 15 bis 20 Stunden schaffen es die meisten Patienten, ihre Blut- oder Arztphobie mit Hilfe der angewandten Anspannung zu überwinden - für viele das Ende eines oft Jahre langen Leidensweges", sagt Becker. (APA/AP)

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