Österreicher sparen weniger

25. Oktober 2002, 14:56
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Geldvermögen wuchs 2001 langsamer - Schwache Konjunktur macht sich bemerkbar - mit Infografik

Wien - Das Geldvermögen der Österreicher ist im Jahr 2001 in geringerem Ausmaß angewachsen als im Jahr davor. Aber auch die Verbindlichkeiten sind weniger stark angestiegen. Der Geldvermögenszuwachs von 10,9 Mrd. Euro fiel gegenüber 14 Mrd. Euro in 2000 um 22 Prozent geringer aus, die Neuverschuldung ging gleichzeitig von 4,6 auf 3,8 Mrd. Euro um 18 Prozent zurück. Insgesamt beliefen sich das Geldvermögen der privaten Haushalte zum Jahresende 2001 auf 281 Mrd. Euro und die Verbindlichkeiten auf 85 Mrd. Euro, so dass sich ein Nettovermögensstand von 196 Mrd. Euro ergab. Dies geht aus der Gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervor, die am Freitag in Wien präsentiert wurde.

Konjunkturabschwächung

Die geringere Geldvermögensbildung und den zurück gegangenen Finanzierungsbedarf führte OeNB-Direktoriumsmitglied Peter Zöllner auf die Konjunkturabschwächung im Jahr 2001 zurück. Die durch die Kursverluste erfolgte Vernichtung von Finanzvermögen hat sich laut Zöllner in diesem Jahr weiter beschleunigt. Die Geldvernichtung werde heuer einen noch höheren Prozentanteil erreichen. In den beiden letzten Jahren seien durch Buchverluste ein Fünftel bis ein Viertel der Neuveranlagung zunichte gemacht worden. Länder stünden aber noch schlechter da, da in Österreich der Einstieg in Aktien und Investmentzertifikate relativ spät erfolgt sei.

281 Milliarden Euro Gesamtvermögen

Das gesamte Geldvermögen der Österreicher von 281 Mrd. Euro entspricht laut Zöllner etwa dem 2,2fachen des verfügbaren jährlichen Einkommens. Auf jeden Haushalt entfielen im Schnitt 84.500 Euro. Die Verbindlichkeiten von 85 Mrd. Euro entsprechen zwei Drittel des Einkommens, ein Haushalt ist im Schnitt mit 25.700 Euro verschuldet. Generell sei damit zwar keine Überschuldung der Haushalte insgesamt gegeben, die Anzahl der überschuldeten Haushalte sei aber im Steigen. Die durchschnittliche Verschuldung liege unter jener im Euroraum.

Sparquote zurück gegangen

Die Österreicher haben im Vorjahr netto 7 Mrd. Euro gespart. Die Sparquote in Prozent des verfügbaren Einkommens ist von 6,7 auf 5,2 Prozent zurück gegangen. Hintergrund dafür sei der Umstand, dass das verfügbare Einkommen 2001 zwar nominell, aber im Gegensatz zum Euroraum nicht real gestiegen sei und gleichzeitig aber die Konsumausgaben stabil geblieben seien, so Zöllner. Damit sei der Konsum eine wichtige Stütze der Konjunktur geblieben, habe aber den Spielraum für Neuveranlagungen verringert. "Entscheidend ist aber nicht die Höhe der Sparquote, sondern die Rendite", betonte Zöllner.

Wertpapiere gewinnen an Bedeutung

Die Zusammensetzung der Geldvermögen hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Unverändert hoch aber stagnierend ist mit 55,3 Prozent der Anteil aus Bargeld und Spareinlagen geblieben. Eine zunehmende Bedeutung haben die kapitalmarktorientierten Anlageformen wie Aktien und Investmentfonds gewonnen. Knapp 44 Mrd. Euro oder 16 Prozent des Geldvermögens entfielen 2001 auf Wertpapiere. Auch der Anteil des Versicherungssparens zwecks privater Pensionsvorsorge stieg und machte im Vorjahr bereits 22 Prozent des Geldvermögens aus. (APA)

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OeNB

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