Männer, das eigentliche schwache Geschlecht

28. Oktober 2002, 20:08
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Kongress in Wien unter anderem zur Frage: "Warum sterben wir früher und wie können wir diesen Unterschied zu den Frauen beseitigen?"

Wien - Sie denken oft, sie wären "stark", dabei sind sie eigentlich schwächer als das angeblich "schwache Geschlecht". "Männer sterben früher als Frauen. Ehemals war das umgekehrt. Die Frage ist: Warum sterben wir früher und wie können wir diesen Unterschied zu den Frauen beseitigen?", erklärte am Freitag der Wiener Urologe Univ.-Prof. Dr. Michael Marberger anlässlich des 2. Weltkongresses zum Thema Männergesundheit (25. bis 27. Oktober) in Wien.

Geschlechtsspezifische Medizin

In den vergangenen Jahren hat sch zunehmend ein Trend in Richtung geschlechtsspezifischer Medizin bemerkbar gemacht. Das hat positive und negative Seiten. Dr. Bruce Sparks, nächster Präsident der internationalen Gesellschaft der Hausärzte: "Ich mag diese Unterteilungen nicht unbedingt. Männergesundheit ist mehr ist als die Gesundheit der Männer. Sie ist nicht nur das Problem der Männer. Sie hat eine Auswirkung auf die gesamte Familie."

Freilich, ganz spezifische Probleme des offenbar nur bedingt "starken Geschlechts" wurden erst in den vergangenen Jahren zunehmend diskutiert. Der niederländische Urologe Univ.-Prof. Dr. Frans Debruyne: "70 bis 80 Prozent unserer Patienten sind Männer. Noch Mitte der achtziger Jahre wurde das Thema der erektilen Dysfunktion ("Impotenz", Anm.) kaum angesprochen. Heute wissen wir, dass rund 50 Prozent der über 60-Jährigen daran leiden, bei den 40- bis 50-Jährigen sind es 20 Pozent. Wir haben mittlerweile auch die Mittel, um die erektile Dysfunktion zu behandeln."

Keine Altersmedizin

Für den Wiener Tagungspräsidenten Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn ist die Situation klar: "Wir dürfen nicht nur vom alternden Mann sprechen. Es geht auch um die Entwicklung vom Buben zum Mann. Wir sind eigentlich das schwächere Geschlecht."

Mittlerweile - so Meryn - wisse man, dass jede einzelne Zelle des Organismus des Menschen geschlechtsspezifisch angelegt sei. Buben bzw. Männer haben offenbar gerade deshalb ein schweres Handicap. Dies zeigten auch harte soziologische Daten aus den US: "Neun von zehn Vergehen in Verbindung mit Alkohol oder Drogen werden von Männern begangen. Im Jahr 2007 wird das Verhältnis der College-Studenten drei zu zwei zu Gunsten der Mädchen lauten." Burschen gingen von Kindheit an mehr Risiko ein: So würden beispielsweise in Deutschland drei Mal mehr Burschen als Mädchen bei Verkehrsunfällen sterben.

"Männer suchen auch erst Hilfe, wenn sie bereits krank sind"

Genetische und soziologische Bedingungen führen offenbar dazu, dass Männer psychisch und physisch gefährdeter sind. Der niederländische Urologe Univ.-Prof. Frans Debruyne: "Männer suchen auch erst Hilfe, wenn sie bereits krank sind. Dabei kostet die 'Reparatur' viel mehr, als es die Prävention tun würde."

Speziell um die erektile Dysfunktion ging es Freitag in Wien am Rande des Kongresses bei einem Medienseminar der internationalen Gesellschaft für Männergesundheit. Laut einer Studie des British Journal of Urology leiden weltweit rund 150 Millionen Männer an erektiler Dysfunktion. 80 Prozent dieser Beschwerden sind auf physische Ursachen zurück zu führen.

Umfrage-Ergebnisse

Eine bei insgesamt rund 3.000 Männern im Alter von mehr als 40 Jahren in zwölf Staaten mit Unterstützung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly durchgeführte Umfrage aus dem Frühjahr 2002 (unter den Befragten waren knapp 1.000 von erektiler Dysfunktion Betroffene, Anm.) ergab unter anderem folgende Fakten:

- 81 Prozent der von Impotenz betroffenen Männer fühlen sich in ihrer Lebensfreude beeinträchtigt.

- 67 Prozent der Patienten mit erektiler Dysfunktion meinen, sie würden ihre Partnerin enttäuschen.

- Für 65 Prozent der Betroffenen bedeutet die erektile Dysfunkion auch einen Verlust an Selbstwertgefühl.(APA)

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