Breit gefächerte Personalentwicklung

29. Oktober 2002, 10:20
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Die Forderung nach lebenslangem Lernen ist allgegenwärtig. Aber nur wenige Arbeitgeber machen Appetit darauf. Anders The Boston Consulting Group (BCG)

Ein Jahr nach der Einführung des internen E-Learning-Programms - der ersten Säule des Personalentwicklungskonzeptes der Boston Consulting Group (BCG) - bilanziert Hannes Pichler, Wiener Projektleiter und Recruiting-Director hoch zufrieden: "Durch Wegfall von Reisetätigkeit haben wir Zeit und Geld gespart, gleichzeitig ist die Zufriedenheit der Berater gestiegen".

Das Intranetangebot umfasst 150 zeit- und ortsunabhängig abrufbare Kurse, die sich hoher Nachfrage erfreuen: Durchschnittlich wird jede "virtuelle Bildungseinheit" etwa 100-mal pro Jahr abgerufen. Weltweit absolviert jeder der 2800 BCG-Berater fünf Onlinekurse jährlich (in Österreich sind es sieben pro Jahr). Zur Angebotspalette zählen unter anderem Marktforschung, Kundenbindung und Finanzanalyse. Das den Kursen zugrunde liegende Wissen wird sowohl von Mitarbeitern als auch von externen Trainern und Spezialisten aufbereitet.

Die zweite Säule bilden die so genannten Praxisgruppen: Den 30 Beratern der Wiener Niederlassung steht die Möglichkeit offen, sich in einem größeren Rahmen (bis zu 50 Teilnehmer) mit den Beratern der anderen 53 Offices zu treffen, wo sie bis zu drei Tage intensiven Informationsaustausch betreiben und sich gegenseitig auf den letzen Wissensstand bringen.

Sabbatical

Die dritte Säule bilden Trainings off the Job: "Wir bieten vom Präsentations- und Stimmtraining bis zum individuellen Coaching alles an, was den Berufsalltag unserer Mitarbeiter sowohl methodisch als auch persönlich erleichtert", so Pichler. Pro Jahr hat jeder Berater rund zwölf Tage hierfür zur Verfügung. Die Kosten übernimmt der Arbeitgeber.

Auch eine Auszeit steht auf dem Menü: Die beratungstypische Projektarbeit ist intensiv, ermöglicht aber auch in regelmäßigen Abständen längere Auszeiten. So hat bei BCG jeder Consultant alle 18 bis 24 Monate Anspruch auf ein dreimonatiges Sabbatical. "80 Prozent nützen es - die meisten widmen sich in dieser Zeit ihren Familien oder gehen auf Reisen", weiß Pichler.

Für Mitarbeiter, die einen Master of Business Administration (MBA) anstreben, besteht die Chance, an der Partneruni Insead zu studieren. Nach dem Abschluss kehren sie zu ihrem Arbeitsplatz zurück und bekommen bis zu 100 Prozent der Kosten vom Unternehmen refundiert.

Und wie emsig ist der Beratungsmulti beim Rekrutieren neuer Talente? "Wir nehmen allein in Österreich jedes Jahr fünf bis zehn neue Berater auf", erklärt Pichler. Bei der Auswahl eines Kandidaten sind die Studienleistungen immer noch bedeutend: "Gute Noten sind uns wichtig, aber die Fachrichtung ist nicht entscheidend." Absolventen von nicht wirtschaftlichen Studienrichtungen durchlaufen das eigens eingerichtete 14-tägige "Boot Camp", wo ökonomische Basiskenntnisse vermittelt werden.

"Exoten" stehen also alle Türen offen - "auf ein breit gefächertes Spektrum legen wir Wert", konstatiert Pichler, der selbst TU-Absolvent ist und einen MBA-Abschluss in den USA erworben hat. (Silvia Stefan/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

BCG kredenzt seinen Beratern 150 Onlinekurse, Auslandserfahrung und pro Jahr zwölf Tage für Trainings off the Job
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