Von bösen Vätern und giftigen Konversationen

25. Oktober 2002, 13:59
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Monika Wogrolly und Edith Kneifel schreiben Klartext

Ich glaube nicht, dass Männer lieben können. Sie können hörig sein, an einer bestimmten Gewohnheit hängen, und häufig ist diese Gewohnheit eine Frau", meint die Ich-Erzählerin, die ihren Vater sucht. Er, ein bekannter Schriftsteller, hat sich nie um seine Kinder gekümmert, und das kleine Mädchen hat immer vergeblich versucht, die Aufmerksamkeit und die Liebe des zurückweisenden, egozentrischen Vaters zu erringen. Das war prägend für ihr Leben, sie versucht als Erwachsene bei ihren Männerbekanntschaften die entgangene Liebe zu bekommen, was naturgemäß nicht funktioniert. Als der Vater verschwindet, fühlt sich die Tochter, die damit überhaupt nichts zu tun hat, dennoch schuldig. Sie phantasiert einen Zusammenhang, der nicht existiert und gesteht der Polizei den Mord an ihrem Vater. Der Polizeipsychologe glaubt ihr nicht und beginnt mit ihr ein Verhältnis. Wogrolly erzählt all dies nicht linear, sondern in vielen Abschweifungen und Rückblenden. Manchmal kommt ihr dabei ihr erlernter Beruf als Psychoanalytikerin in die Quere. Und zwar nicht nur der Autorin selbst, sondern auch der Ich-Erzählerin, die offensichtlich autobiografische Züge trägt. Wer immerzu jede einzelne Regung analysieren muss, wird naturgemäß die stabilste Beziehung zerstören - und manchmal auch den Erzählfluss behindern. Dennoch: Wogrolly schreibt oft wirklich präzise, "herzlos" und daher durchaus mitreißend.

Monika Wogrolly, Herzlos. EURO 17,90/167 Seiten. Deuticke, Wien 2002.

Das kleine Bändchen bietet sich als ideales Mitbringsel an. Oder vielleicht doch lieber nicht? Immerhin geht es hier um ein Festessen mit Gästen, das ein wenig aus dem Ruder läuft. Was soll man von einer Gattin halten, die extra Pastetchen mit dem Inhalt bestellt, gegen den ihr versoffener und verfetteter Ehemann allergisch ist? Das Techtelmechtel der Wirtin mit dem Oberkellner ist für die Qualität des Menues auch nicht unbedingt förderlich, ganz abgesehen von der ausgesprochenen Giftigkeit der Konversation bei Tisch. Schließlich begibt sich das allergische Opfer aufs stille Örtchen, wo es von seinem Schicksal ereilt wird. Aber damit sind die Überlebenden noch lang nicht aus dem Schneider. Die Kurzgeschichtenform scheint der ironischen Ader der Autorin entgegenzukommen. Ihre bösen Beobachtungen des Gastro-Kritiker-Daseins basieren hoffentlich nicht all zu sehr auf Tatsachen. Eine tiefschwarze Wiener Miniatur aus der Reihe GourmetCrime, herausgegeben vom genreerfahrenen Jürgen Alberts.

Edith Kneifl, Pastete mit Hautgout. EURO 8,20/76 Seiten. Europa Verlag, Hamburg 2002.
(DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

Von Ingeborg Sperl

Hinweis

Monika Wogrolly liest gemeinsam mit Andrea Joeckle am 28. Oktober um 19.30 Uhr im Literaturhaus in Wien (Zieglergasse 26 A, 1070 Wien)

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