Österreichische Geisel soll noch heute freigelassen werden

25. Oktober 2002, 11:04
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Gesundheitszustand der Opfer kritisch - Nur Buffet-Reste für die Gefangenen

Moskau - "Wir hoffen, dass die österreichische Geisel uns noch heute übergeben wird", war die Auskunft eines Diplomaten an der österreichischen Botschaft in Moskau, der am Donnerstag den ganzen Tag am Ort der Geiselnahme war und mit dem österreichischen Botschafter in Moskau, Franz Cede, versuchte, die Österreicherin Emilia Usowa freizubekommen.

Buffet-Reste für die Gefangenen

Sieben ausländische Opfer des Terroranschlags wurden mittlerweile freigelassen, zwei russische Gefangene wurden allerdings bereits getötet. Über den Gesundheitszustand der übrigen rund 800 Opfer lassen sich bisher nur Vermutungen anstellen. Der russische Fernsehsender RTR brachte ein Interview mit einem Arzt, der Zugang zu den Geiseln bekommen hatte. Seiner Meinung nach leiden einige der Opfer auf Grund der unzureichenden Nahrungsmittelversorgung an Magenkrämpfen und Hunger. Die Geiseln müssen sich seit rund 36 Stunden mit den Buffetresten des Theaters "DK GPZ", in dem Musical-Vorführung Mittwoch Abend stattfand, ernähren, wobei die meisten mit Schokolade ihre leeren Mägen füllten.

"Befreiung mit menschlichen Mitteln

Die tschetschenischen Terroristen hatten nach dem Überfall ihren Opfern erlaubt, via Mobiltelefon jeweils einen Anruf zu tätigen. Nur so konnte die österreichische Botschaft in Moskau von der Gefangennahme einer Österreicherin erfahren. In Geiselhaft rief Emilia Usowa ihren Mann in Wien, der daraufhin sofort den Bereitschaftsdienst des Außenministeriums am Ballhausplatz verständigte. Botschafter Cede wurde Donnerstag früh um 7.00 Uhr vor der Gefangennahme der Österreicherin informiert und begab sich unmittelbar danach an den Ort des Geschehens in der Melnikowastraße, nicht weit vom Moskauer Stadtzentrum.

Auf die Frage, mit welchen Mitteln denn man versuche, die Geiseln zu befreien, antwortete der österreichische Diplomat: "Mit menschlichen. Mit dem Argument, dass völlig unschuldige Opfer gefangen genommen sind, versuchen wir, die Terroristen zum Einsehen zu bewegen. Wir sagen einfach nur das, was man jedem 'normalen' Menschen in so einer Situation sagen würde." Auf den Einwand, ob es sich bei den Terroristen wirklich um "normale" Menschen handle, wurde dann nicht mehr reagiert.(APA)

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