Bahrain: Nur Islamisten bei Parlamentswahl erfolgreich

25. Oktober 2002, 10:32
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Keine Frau gewählt

Manama - Im arabischen Golfstaat Bahrain hat sich bei den ersten Parlamentswahlen mit weiblicher Beteiligung im ersten Wahlgang keine einzige der acht Kandidatinnen durchsetzen können. Stattdessen gingen die Sitze in den 19 Wahlkreisen, in denen es in der nächsten Woche nicht zu einer Stichwahl kommt, fast ausschließlich an Kandidaten der Islamisten. Das gab das Informationsministerium am Freitagmorgen in der Hauptstadt Manama bekannt. Die Wahlbeteiligung lag mit 53,2 Prozent höher, als dies nach den Boykottaufrufen von vier linken und schiitischen Oppositionsgruppen erwartet worden war. Allerdings durften diesmal, anders als bei den Kommunalwahlen im Mai, auch die 11.000 Soldaten des Kleinstaates wählen, die als königstreu gelten.

Kronprinz Salman Bin Issa al Khalifa hatte bereits vor der Wahl erklärt, ein Sieg der Islamisten wäre aus Sicht der Herrscherfamilie nicht beunruhigend, "da wir schließlich alle Moslems sind". Die sunnitischen und schiitischen Islamisten in Bahrain gelten als gemäßigt im Vergleich zu religiösen Gruppierungen in den Nachbarstaaten am Golf. Die allgemeinen Wahlen waren die ersten seit der Parlamentsauflösung vor 27 Jahren. 177 Kandidaten, unter ihnen acht Frauen, bewarben sich um die 40 Abgeordnetenmandate, 245.000 Bürger ab 21 Jahren waren wahlberechtigt. Vier einflussreiche politische Gruppen protestierten mit Boykottaufrufen gegen die verfassungsmäßig verankerte Gleichstellung des Abgeordnetenhauses mit dem so genannten Konsultativrat, dessen 40 Mitglieder vom König ernannt werden.

Der Urnengang ist die Fortsetzung der vorsichtigen Öffnung des Golfstaates unter König Hamad Bin Issa al Khalifa. Der Monarch, der 1999 nach dem Tod seines Vaters Issa den Thron bestiegen und eine Demokratie-Charta erlassen hatte, appellierte an seine Landsleute, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Die Bevölkerung des im vergangenen Februar zum Königreich erhobenen früheren Emirats ist mehrheitlich schiitisch, das Herrscherhaus der Khalifa aber sunnitisch. Die Schiiten fühlen sich von der sunnitischen Führungsschicht benachteiligt. Von den 670.000 Einwohnern des Königreiches besitzen nur 325.000 die Staatsbürgerschaft. (APA/dpa)

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