Anklage in "FPÖ-Sexaffäre" rechtskräftig

24. Oktober 2002, 19:52
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Ehemaliger Grazer Stadtrat Spielberger muss wahrscheinlich noch heuer vor Gericht

Graz - Die Anklage ist rechtskräftig. Ferdinand Spielberger muss - wahrscheinlich noch vor Jahresende - vor Gericht. Der ehemalige hochrangige Grazer FPÖ-Politiker wird sich vor dem Richter für eine Jahre zurück liegende Sexaffäre verantworten müssen.

Spielberger wird vorgeworfen, zwei ihm seinerzeit unterstellte Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Konkret wird Spielberger beschuldigt, zumindest "eine Mitarbeiterin zweimal zur Duldung geschlechtlicher Handlungen genötigt zu haben". Spielberger hat die Anschuldigungen stets zurückgewiesen,

Die Affäre um den ehemaligen Grazer FPÖ-Stadtrat kam im Juli dieses Jahres ins Rollen, als DER STANDARD ein Protokoll der beiden Frauen veröffentlichte, in dem Spielberger massiv belastet wurde. Das Schriftstück wurde 1998 im Beisein der jetzigen Staatssekretärin Mares Rossmann, des Ex-FP-Ministers Michael Schmid und eines Anwalts verfasst. Spielberger musste - mit dem Protokoll konfrontiert - umgehend als Stadtrat zurücktreten. Öffentlich wurde dieser Rückzug mit "Krankheitsgründen" argumentiert. Die Affäre wurde vertuscht.

Spielberger blieb als Gemeinderat weiterhin tätig. Wenige Tage nach Bekanntwerden des "Sex-Skandals" heuer im Sommer musste Spielberger auch sein Mandat als Gemeinderat zurücklegen.

Die "Causa Spielberger" könnte freilich noch die Gemeinderatswahlen im Jänner 2003 beeinflussen. Denn noch ist nicht restlos geklärt, ob der amtierende FP-Vizebürgermeister Peter Weinmeister von der Affäre gewusst und an der Vertuschung mitgewirkt hat. Weinmeister bestreitet vehement jegliche Mitwisserschaft. Vor Gericht könnte ihm freilich das Gegenteil bewiesen werden. (Der Standard, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

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