Führerlose Freiheitliche

25. Oktober 2002, 09:25
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Nach dem Platz der FPÖ fragt Conrad Seidl in seinem Kommentar

Wo findet man eigentlich die FPÖ? In den Umfragetabellen, so viel gilt als ausgemacht, ziemlich weit unten. 14 Prozent stehen in der jüngsten market-Hochrechnung. Und sonst? Plakate sieht man kaum. Oder hat man sie nur übersehen, weil die Botschaften nicht mehr so populistisch fetzen wie zu jener Zeit, als Gernot Rumpold, Haiders Mann fürs Grobe, seiner Kreativität freien Lauf ließ.

Aber Haider hat sich nach Kärnten zurückgezogen; Rumpold hat seine Kommunikationsleistungen in den Dienst des Eurofighter-Herstellers EADS gestellt. Und diesem misstraut wieder Jörg Haider. Wie er auch dem politischen Establishment in Wien misstraut - wer ganz oben ist, der kann doch nicht ganz sauber sein, oder?

Bleibt dem derzeitigen Parteiobmann Mathias Reichhold und dem Rest seiner Regierungsfraktion nur, Haiders Verdächtigungen zurückzuweisen, dass rund um den Abfangjägerkauf strafrechtlich relevante Malversationen gelaufen sein könnten. So weit, dass man Haider klagt oder gar wegen parteischädigenden Verhaltens aus der FPÖ entfernt, ist man noch nicht.

Und das in einer Partei, die sich stets ihrer straffen Struktur und ihrer klaren Führungsverantwortung gerühmt hat (und dafür schon einmal die Schelte einzustecken bereit war, sie sei eine Führerpartei). Stattdessen zeigt sie einen schwachen, beim Wahlkampfauftakt eine uninspirierte Rede vom Papier herunterstammelnden Parteichef, der den Wahlkampf offenbar schon aufgegeben hat. So taumelt die FPÖ dahin, schwankend zwischen der Verantwortung für das, was sie in der Regierung geleistet hat (von Stolz darauf ist ohnehin keine Rede mehr), und dem Zusammensammeln des Protestpotenzials.

Macht zusammen offenbar nicht mehr als 14 Prozent.

(DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

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