A1 nimmt Anlauf zur Süderweiterung

24. Oktober 2002, 19:12
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Vor zwei Jahren scheiterte Expansion in Südosteuropa am Veto von Miteigentümer Telecom Italia - A1/Mobilkom startet Neuversuch

Wien - Der drastische Sparkurs der Deutschen Telekom könnte der Mobilkom Austria, Österreichs größtem Handynetzbetreiber (A1), demnächst die Realisierung lang gehegter Expansionspläne ermöglichen. Konkret geht es um die weitere mobilfunkmäßige Südosterweiterung.

Oberste Priorität hat für den aus Sarajewo stammenden A1-Cheffunker Boris Nemsic naturgemäß Bosnien-Herzegowina. Nicht so sehr, weil er dort quasi ein Heimspiel hätte, sondern um das Funkloch zwischen den beiden "Armen" Kroatiens im Norden und im Westen endlich zu schließen. "Bosnien-Herzegowina wäre am wichtigsten, aber auch am schwierigsten", sagt Nemsic im STANDARD-Gespräch.

Fix ist, dass der Markteinstieg wie in Slowenien (Simobil) über eine Beteiligung oder Übernahme eines lokalen Betreibers erfolgen soll. Welches Objekt ins Visier genommen wurde, will Nemsic nicht verraten. Theoretisch hat A1 drei Möglichkeiten: Die Übernahme von GSMBiH, der GSM-Tochter der staatlichen Telefongesellschaft PTT B&H, des zweiten Betreibers Mobi's (gehört zu 100 Prozent Telekom Srpske) oder Eronet, fast zur Hälfte von der Kroatischen Telekom (HT) kontrolliert. Da die beiden Ersteren im Staatsbesitz sind, bleibt de facto nur Eronet übrig - ein schwieriger Fall, wie STANDARD-Recherchen ergaben.

Sehr kompliziert

Denn Eronet ist zwar seit 1996 "on air" und hat rund 70.000 Kunden, die Gesellschaft verfügt aber über keine rechtmäßige Funkkonzession. Dies deshalb, weil seit Jahren ein Rechtsstreit darüber tobt, ob der zweite Hälfteeigentümer, ein Konsortium aus lokalen Investoren, tatsächlich bosnische Wurzeln hat. Wie in Slowenien dürfen ausländische Investoren in dem vom Krieg gezeichneten Bosnien nur operativ tätig sein, wenn ein Mindestanteil in heimischer Hand ist. Daran hängt auch die Gratis-Funklizenz.

Bei Eronet den Fuß in die Tür zu bekommen dürfte für A1 kein Problem darstellen, denn die hoch verschuldete Deutsche Telekom, über ihre Mehrheit an der Kroatischen Telekom (HT) ein gewichtiger Eronet-Miteigentümer, hat angekündigt, ihr Auslandsportfolio bereinigen zu wollen. Dem Vernehmen nach sind die Deutschen verkaufswillig. Stimmen bis dahin auch die rechtlichen Rahmen- bedingungen, kann die Mobilkom den Funkkontakt aufneh- men. Zunächst aber braucht Bosnien eine neue Regierung, das Parlament wurde Anfang Oktober gewählt. Nemsic geht davon aus, dass zumindest Teile der im Vorjahr angepeilten Privatisierungsvorhaben umgesetzt werden.

Wieder komplett ist nach dem Ausstieg der Italiener der A1-Vierervorstand: Alfred Gattringer (55), bisher Leiter des Finanzbereichs, ist nunmehr Finanzvorstand. Ausgeschieden ist, wie berichtet, Riccardo Todini. (Luise Ungerboeck/DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2002)

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    Sendet Funksignale in seine Heimat in Bosnien: A1-Chef Boris Nemsic.

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