"Ein kleiner Posten kann das nicht"

24. Oktober 2002, 19:10
5 Postings

Gendarmeriedienst im Flachgau

Salzburg - "Das ist politisch." Johann Primschitz, Kommandant des Gendarmerieposten in Hof bei Salzburg, ist schon 32 Jahre bei der Gendarmerie. Nach so vielen Jahren regt ihn kein politischer Disput mehr auf. Selbst wenn der Streit um die Schließung kleinerer Posten, also um sein eigenes Aufgabenfeld, tobt.

Der Kontrollinspektor weiß eben, wie es draußen ist: Während es vor der Zusammenlegung der Posten von Hof, Ebenau, Faistenau, Koppl, Plainfeld und Hintersee zum flächenmäßig größten Überwachungsgebiet des Flachgaus üblich gewesen sei, dass Beamte allein auf Streife fuhren, sind jetzt "tagsüber zwei Streifen permanent" unterwegs.

Das subjektive Sicherheitsgefühl mancher der ihm und seinen 16 Kollegen anvertrauten 13.000 Bürger mag unter den Postenschließungen leiden, objektiv wäre die Arbeit besser geworden: "Was war früher, wenn ein Zwei-Mann-Posten zwei entlaufene Pferde einfangen sollte? Einer musste am Posten bleiben oder war auf Urlaub. Der andere musste Hilfe anfordern, um die Rösser zu fangen." Und: Früher konnten die zwei Kollegen in Faistenau die Schulwegsicherung nicht bewältigen: "Ein kleiner Posten kann das nicht."

Heute funktioniert das. Primschitz ist überzeugt, dass dies auch für die meisten der anderen 280 Posten in Österreich gelte, die seit 1991 zusammengelegt worden sind. Von "Betreuungsgendarmen" als Aushängeschild für die Bürgermeister von Gemeinden ohne Posten hält er allerdings nichts. (neu/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002))

Share if you care.