Mordprozess Wurst: Bruder des Mitangeklagten entschlug sich der Aussage

24. Oktober 2002, 18:38
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Weitere Einblicke im Kinderarzt-Prozess wegen Anstiftung zum Mord an der Ehefrau und wegen Missbrauchs von Kindern...

Klagenfurt - Im Prozess gegen den zur Anstiftung zum Mord an seiner Gattin und wegen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen angeklagten Kinderarzt Franz Wurst wurden am Donnerstag vier Zeugen vernommen. Der Bruder des wegen des Mordes mitangeklagten Thomas H. entschlug sich allerdings der Aussage. Ein ehemaliger Kollege des Angeklagten meinte, die Beziehung von Wurst und seiner Frau "hätte nicht unbedingt eine Liebesehe sein müssen". Das Verfahren wird am nächsten Mittwoch fortgesetzt.

Richter Wilfried Kirchlehner vernahm zunächst einen hohen Beamten aus dem Gesundheitswesen des Landes Kärnten. Dieser gab Einblick in die umfangreichen Nebentätigkeiten, denen Wurst außer seiner Hauptbeschäftigung als Primarius nachging. Diese Tätigkeiten reichten von der Betreuung von "Sonderkinderheimen" bis hin zu Lehrtätigkeiten an den Universitäten Graz und Wien und an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt.

Ein weiterer Zeuge, Landessanitätsdirektor von Kärnten in der Zeit von 1971 bis 1882, gab an, mit Wurst kaum etwas zu tun gehabt zu haben und diesen nur etwa ein Mal pro Jahr getroffen zu haben. Nach seiner Aussage ging der Zeuge auf Wurst zu und schüttelte ihm die Hand.

Anschließend wurde ein ehemaliger Psychiater-Kollege des Angeklagten befragt. Dieser attestierte seinem Ex-Chef ein "autoritäres, großbürgerliches Verhalten". Von Staatsanwalt Gottfried Kranz befragt, ob er oder andere Kollegen um die familiäre Situation des Ehepaares Wurst Bescheid gewusst hätten, sagte der Zeuge: "Man hat gesehen, dass die beiden beruflich gut zusammenpassen, aber es hätte nicht unbedingt eine Liebesehe sein müssen". Die nächtlichen Untersuchungen, die Wurst an Kindern vornahm, fand der Ex-Kollege keineswegs außergewöhnlich: "Die Kinder waren ja tagsüber nicht ausgelastet, und Wurst war ein Workaholic."

Das Verfahren wird am 30. und 31. Oktober mit der Einvernahme weiterer Zeugen, darunter ehemalige Mitarbeiterinnen von Wurst, fortgesetzt. (APA)

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