Aspirin, Lebensretter nach Herzoperationen

24. Oktober 2002, 18:07
posten

Forscher nach überraschender US-Studie: "Wenn meine eigene Mutter jetzt eine Operation hätte, würde ich dafür sorgen, dass sie anschließend Aspirin bekommt"

New York - Eine als "bahnbrechend" bezeichnete Studie hat jetzt Aspirin eine lebensrettende Wirkung beim Einsatz nach schweren Herzoperationen bescheinigt. Zugleich wurde das Medikament (Wirkstoff: Acetylsalicylsäure, ASS) durch Untersuchungen an 5.065 Patienten in 70 Medizinischen Zentren in 17 Ländern von dem Verdacht entlastet, bei Herzpatienten unmittelbar nach einer Operation eventuelle folgenschwere innere Blutungen auszulösen. Das berichtete das "New England Journal of Medicine" am Donnerstag. Die Sterblichkeit der mit ASS behandelten Patienten betrug nur ein Drittel jener der Nichtbehandelten.

"Die Ergebnisse der Studie sind ganz überraschend positiv und eindeutig"

Forscher des Ischemia Research and Education Center in San Francisco in den USA seien zu der Überzeugung gelangt, dass Aspirin-Gaben das Sterberisiko nach Bypass- Operationen deutlich senke und die Gefahr von Komplikationen verringere. "Die Ergebnisse der Studie sind ganz überraschend positiv und eindeutig", erklärte Robert Bonow, Präsident des Amrican Heart Association (AHA). Sie werde vermutlich die künftige Behandlung von Bypass-Patienten verändern.

Dennis Mangano, der Gründer der Ischemia-Forschungsstiftung, äußerte sich ebenfalls völlig überzeugt: "Wenn meine eigene Mutter jetzt eine Operation hätte, würde ich dafür sorgen, dass sie anschließend Aspirin bekommt." Nach seinen Erhebungen könnten weltweit jährlich etwa 27.000 postoperative Todesfälle durch gezielte ASS-Gaben verhindert werden. Zudem ließen sich etwa 51.000 Komplikationen bei Herzpatienten vermeiden, was unter anderem durch kürzere Krankenhausaufenthalte insgesamt Milliardenkosten ersparen würde.

Die Studie

Die Studie wurde in den Jahren 1996 bis 2001 durchgeführt. Nach Angaben Manganos wurden etwa 60 Prozent der Bypass-Patienten in den beteiligten medizinischen Einrichtungen innerhalb von 48 Stunden nach der Operation Aspirin-Dosen bis zu 650 Milligramm verabreicht. Es habe sich gezeigt, dass die Sterbewahrscheinlichkeit bei diesen Patienten im Vergleich zu anderen nur bei einem Drittel gelegen habe.

Zudem sei die Wahrscheinlichkeit von Herzanfällen oder Infarkten nur halb und die von Nierenversagen nur ein Viertel so groß gewesen wie bei Patienten, die nicht mit Aspirin behandelt worden seien. Die Untersuchungen erstreckten sich jeweils nur auf die Dauer des Krankenhausaufenthaltes. Untersucht wurden Patienten, die Bypässe aus körpereigenen Gefäßen gelegt bekamen. (APA/dpa)

Share if you care.