"Spinnenfäden" aus der Nanoröhre

28. Oktober 2002, 19:27
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30 Zentimeter lang und 200 Mikrometer "dick" und trotzdem kräftig - allerdings nicht sehr lange haltbar

London - Chinesische Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, einen Faden einzig aus Kohlenstoff-Nanoröhren zu entwickeln. Die laut eigenen Angaben äußerst kräftigen, elektrisch leitfähigen Fäden könnten z.B. in kugelsichere Kleidung und Materialien zum Schutz vor elelktromagnetischen Wellen eingewoben werden.

Bei bestehenden Methoden dieser Art der Fadenerzeugung werden Kohlenstoff-Nanoröhren mit einem Bindemittel gemischt. Die Fäden sind so zwar besser gebunden, aber Stärke und Leitfähigkeit sinken, berichtet "New Scientist". Das Team um Kaili Jiang von der Tsinghua-Universität entwickelten die neue Faser, indem die Kohlenstoff-Nanoröhren nach einem Silikon-Substrat ausrichtet wurden. Die Fäden zogen sie anschließend aus dem Substrat. Der produzierte Faden hatte eine Länge von 30 Zentimetern und eine Dicke von 200 Mikrometern. Schätzungen der Forscher zufolge könnte ein Kubikzentimeter Nanoröhren ausreichen, um einen bis zu zehn Meter langen Faden zu produzieren. In weiteren Versuch konnten die Forscher zeigen, dass sich durch die Anlegung einer elektrischen Spannung die Leitfähigkeit des Materials verbessert.

"Das Wesentliche ist, dass es dem chinesischen Team gelungen ist, mehr reine Fasern herzustellen", erklärte Philippe Poulin vom Paul Pascal-Forschungszentrum in Frankreich. Poulin arbeitet an Fäden, die durch die Verbindnung von Karbon-Nanoröhren und einem löslichen Bindemittel hergestellt werden. Der Forscher spekuliert, dass die chinesischen Fasern gute elektronische Eigenschaften besitzen werden, aber weniger stark sind. Trotzdem ist er optimistisch, dass Fäden aus Karbon-Nanoröhren in den nächsten Jahren zur Verfügung stehen werden. Einsatzgebiet sind laut Poulin mikroskopische Geräte. "Mit diesen Fäden können 100 Mal größere Kräfte als mit menschlichen Muskeln der selben Masse generiert werden", betonte der Wissenschaftler. Einziger Nachteil ist zurzeit, dass die Fäden nicht sehr langlebig sind. (pte)

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