"Schüssel wäre selbst gerne King Kong"

24. Oktober 2002, 18:50
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Wiener Psychologe deutet Schüssels Assoziation zu SP-Chef Gusenbauer

Wien - Warum fiel Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, die Verkörperung von Gelassenheit und Gravität, dieses grobe, archaische Bild des brüllenden King Kong ein, als er an SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer dachte? Ein klarer Fall für den Psychoanalytiker, der ja ständig den Archetypen in uns auf der Spur ist. DER STANDARD fragte den Wiener Psychologen und Managercoach Othmar Hill um seine Interpretation, warum wohl Schüssel den SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer ungewohnt brutal ins Tierreich assoziierte.

Othmar Hill: "Dass der andere als tölpelhafter Zerstörer hingestellt wird, ist unfein, so etwas tut man einfach nicht. Tiefenpsychologisch betrachtet kann man es freilich als Angstprojektion verstehen. Das Bild zeigt ganz deutlich, das Schüssel eine gewisse Angststimmung erfasst haben muss. Zum anderen aber deutet diese King-Kong-Assoziation - und das wissen wir aus der Traumdeutung - auch auf einen Wunsch hin. Es hat sozusagen der King Kong aus Schüssel gesprochen: endlich einmal poltern dürfen und nicht immer gelassen sein müssen. So sein dürfen wie King Kong: ungestüm, tierisch emotional, archaisch sentimental." So sei sie eben, die Psyche, sagt Othmar Hill: "im Grunde einfach und eigentlich primitiv".

Beseelt von des Kanzlers Assoziationen waren auch die Wahlkampfaussagen. Die SPÖ nehme die Klarstellung der ÖVP nicht zur Kenntnis, hieß es ebendort. Es sei ein eindeutiger "zweideutiger Affront" gegen den SPÖ-Vorsitzenden gewesen. Vize-SP-Chef Heinz Fischer psychologisierte, Schüssels King-Kong-Vergleich sei eine "dünnhäutige Reaktion". Stimmt nicht, reagierte VP-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat. Schüssel habe sich nicht auf Gusenbauer bezogen. Die ÖVP werde sich nicht auf eine Schlammschlacht einlassen. Schlammschlacht? Wieder ein Fall für den Psychoanalytiker? (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

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der King Kong aus Schüssel gesprochen: endlich einmal poltern dürfen und nicht immer
gelassen sein müssen", so der Psychologen
und Managercoach
Othmar Hill über Schüssels Kritik am Stil Gusenbauers
    montage: derstandard.at

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    "Es hat sozusagen der King Kong aus Schüssel gesprochen: endlich einmal poltern dürfen und nicht immer gelassen sein müssen", so der Psychologen und Managercoach Othmar Hill über Schüssels Kritik am Stil Gusenbauers

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