ABB steigt auf Kostenbremse

24. Oktober 2002, 17:11
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111.000 Asbest-Klagen am Hals

Zürich - ABB muss deutlich mehr abmagern. Asbest-Klagen, Schulden und fehlende Aufträge zwingen den schwedisch-schweizerischen Technologiekonzern, in den nächsten 18 Monaten 800 Millionen Dollar (822 Millionen Euro) einzusparen. Gewerkschafter erwarten einen Abbau von 20.000 Stellen. Verwaltungsratspräsident und Konzernchef Jürgen Dormann konnte am Donnerstag an einer Telefonkonferenz noch nicht beziffern, wie viele Stellen der neuerlichen Restrukturierung zum Opfer fallen. Der Beschluss des Verwaltungsrats sei erst am Mittwoch gefallen, begründete er. Anfang November werde Genaueres bekannt gegeben.

Die im Sommer 2001 lancierten Maßnahmen haben bisher 13.100 Arbeitsplätze gekostet. Die erwarteten Einsparungen von 500 Mill. Dollar hätten sich aber verzögert und sollten Mitte nächsten Jahres voll zum Tragen kommen. Die neuerlichen Kostenkürzungen sind verbunden mit einer Verkleinerung von Organisation und Geschäftsleitung: Die fünf Divisionen werden in drei zusammengefasst, zwei Geschäftsleiter müssen über die Klinge springen.

Grund für Maßnahmen auch in der Umstrukturierung von Divisionen, ist der Verlust von 82 Mill. Dollar nach neun Monaten. In der gleichen Periode 2001 hatte ABB noch einen Gewinn von 289 Mill. Dollar ausgewiesen. Im dritten Quartal befand sich der Konzern mit 183 Mill. Dollar in den roten Zahlen.

Das Eigenkapital ist von 2,224 Mrd. Dollar per Ende Juni auf 1,799 Mrd. Dollar Ende September geschrumpft - die Eigenkapitalquote hat sich damit von schmalen 6,6 Prozent auf bedrohliche 5,6 Prozent reduziert. Die Nettoverschuldung erhöhte sich per Ende September von 5,2 auf 5,5 Mrd. Dollar. Den versprochenen Abbau der Verschuldung um 1,5 Mrd. Dollar auf 2,6 Mrd. Dollar bis Ende 2002 will der Konzern aber einhalten. Verkäufe von Firmenteilen und Immobilien sollen laut Finanzchef Peter Voser rund 2,8 Mrd. Dollar bringen.

Keine Kostendeckung

Die hängigen Asbestklagen bei der US-Tochter Combustion Engineering (CE) haben sich von 102.700 per Ende Juni auf 111.000 per Ende September erhöht. Den Klägern wurde in den ersten neun Monaten 161 Mill. Dollar ausbezahlt. ABB hatte am Montag bekannt gegeben, dass die Aktiven der CE die erwarteten Kosten der Asbestklagen nicht mehr decken und will die Tochter möglicherweise unter Gläubigerschutz nach "Chapter 11" des US-Konkursrechts stellen.

Weiter hatte der Konzern am Montag überraschend die Ertragsaussichten für das dritte Quartal revidiert. Am Donnerstag gestand Dormann nun ein, dass es ein Fehler gewesen sei, den Ausblick für das laufende Jahr nicht gleich bei seinem Amtsantritt am 5. September geändert zu haben. Analysten äußerten sich skeptisch über die jüngsten Nachrichten des Energiekonzerns und bezeichneten das Unternehmen weiterhin als Blackbox.

Die Börse reagierte nach den panikartigen Verkäufen der letzten Tage positiv. Die Aktie notierte gegen 16 Uhr mit 12,3 Prozent im Plus bei 1,83 Franken (1,25 Euro). (APA)

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