Deutschlands Ostseeküste per Fahrrad

24. Oktober 2002, 17:19
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Aktivurlaub an der Nord- und Ostsee - Wattwanderungen und Radtouren im Altweibersommer, Wellnessangebote und gehobene Kulinarik in den Wintermonaten

Warum nicht einmal mit dem Fahrrad Deutschlands Ostseeküste kennen lernen?

In nur fünf Tagen ist's möglich. Von Westen kommend über den ebenen Ostseeküstenradweg die Hansestädte Lübeck, Wismar und Rostock und eine Menge Ostseebäder entdecken. Die Ostsee auf der einen Seite, kaum einen Kilometer von der Küste entfernt Agrarlandschaft pur. Eintönig, fast langweilig wäre die 150 Kilometer lange Strecke, wenn da nicht die Seebäder Travemünde, Boltenhagen, Kühlungsborn, Heiligendamm oder Warnemünde wären.

Seebäder mit Tradition, wo schon seit über hundert Jahren Badegäste zum Baden, Planschen oder Kuren kommen. Das älteste Ostseebad Heiligendamm, das am 8. September 1793 die ersten Kurgäste begrüßte, wird nach zwölfjährigem Stillstand in der Nachwendezeit nun doch noch aufgemotzt. Die klassizistischen Villen des "Adelsbads" Heiligendamm, der "Weißen Stadt", sollen in altem Glanz erstrahlen. Das "Walther-Rathenau-Haus" oder "Rosa-Luxemburg-Haus" werden genauso wie Grand Hotel, Kurhaus, Orangerie und "Burg Hohenzollern" Teil des Premium-Resorts. Ein privater Investor hat mit Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern 250 Millionen Euro lockergemacht. Ein großer Hotelkonzern wird dort im kommenden Jahr die Pforten öffnen - für rund 400 Euro pro Nacht, so schätzen derzeit Tourismusexperten, soll es Übernachtung mit Frühstück, Wellness und Beauty, Ayurveda, Gesundheit, Sport und Fitness geben.

Billiger, aber kaum jünger ist Kühlungsborn, das erst 1938 durch die Fusion der beiden Seebäder Brunshaupten und Arendsee entstanden ist. (Diese beiden Ostseebäder begrüßten ihre ersten Urlauber bereits Ende des 19. Jahrhunderts.) Es hat sich rausgeputzt und gemausert, architektonisch wie auch kulinarisch. Fast alle alten Hotels und Restaurants sind renoviert. Zum Augenschmaus stellt sich entgegen aller Vorurteile auch Gaumenfreude ein. "Wir haben dazugelernt, die Leute sind hoch motiviert und schauen sich auch international um", sagt Robert Röntgen, Ex-ARD-Korrespondent in Washington und Ostberlin, heute Tourismuschef von Kühlungsborn.

Den Häferlkaffee, wie von manchem Alpenbewohner hier bestellt, bekommt man zwar nicht. Auf Kaffeespezialitäten wie "Latte macchiato" - die Betonung liegt dabei stärker auf dem "t" - müssen auch Kaffeehausgeher nicht verzichten. "Um nicht nur Domizil für Pensionisten zu werden", betont Röntgen, "wollen wir unsere Leistungen ausweiten." So holt man im Sommer bereits seit Jahren den Beachvolleyball-Zirkus für eine Woche an die Ostseeküste, um so auch für die unter 30-Jährigen attraktiv zu sein. Ein Segelboothafen steht kurz vor der Fertigstellung.

Röntgen, der hier seine Kindheit verbrachte, legt Wert darauf, dass in Kühlungsborn um 22 Uhr nicht die Rollläden runtergehen. Nach dem Bau der Berliner Mauer durften die Strände an der Ostseeküste ab 22 Uhr bis zum Sonnenaufgang wegen Fluchtgefahr nicht benutzt werden. Es hätte jemand mit dem Schlauchboot in den rund 100 Kilometer entfernten Westen abhauen können. Geschichte. Genauso wie die Wartezeiten: Zu DDR-Zeiten musste man sich bis zu sieben Jahre gedulden, um in Kühlungsborn Urlaub machen zu können. (Thomas Jäkle/DER STANDARD, Printausgabe)



Helgoland, die einzige Hochseeinsel Deutschlands

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