Bayern, ein verläßlicher Punktelieferant

24. Oktober 2002, 14:45
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Nach dritter Niederlage in der Vorrunde wird es für die Deutschen allmählich knapp, selbst Platz drei ist in Gefahr - Oliver Kahn verletzt

Wien - Als nach Mitternacht bei der Bankett-Rede von Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge auch noch das Mikrofon streikte, sah sich der in der Fußball-Champions League zum Punktelieferanten degradierte FC Bayern München endgültig von allen bösen Geistern umzingelt. Denn obwohl zwischen Anspruch und Wirklichkeit Welten klaffen, streuten sich Verantwortliche und Spieler auch nach der 1:2-Niederlage gegen den nach vier Siegen vorzeitig für die Zwischenrunde qualifizierten AC Milan Sand in die Augen.´

Letzter Strohhalm

Als Meister der Ausreden jammerten sie über Pech statt Unvermögen, redeten die eigene Leistung besser als sie war und klammerten sich an den nun wirklich letzten Strohhalm. "Zu zwei Siegen gegen La Coruna und Lens gibt es keine Alternative mehr. Aber es ist noch alles drin, vom vierten bis zum zweiten Platz", lautete die Durchhalteparole von Rummenigge.

Erst ein Punkt

Unglaublich, aber wahr: Nach vier Spielen steht der entzauberte Titel-Mitfavorit Bayern mit einem Punkt so schlecht da wie nie zuvor und könnte trotzdem noch die Zwischenrunde erreichen. "La Coruna hat uns immer noch die Chance gelassen", dankte Franz Beckenbauer dem Tabellenzweiten aus Spanien für seine 1:3-Schlappe beim RC Lens.

Auch Platz drei in Gefahr

Der erstmalige Vorrunden-K.o. wurde nochmals vertagt, allerdings ist nun sogar Platz drei und damit der Trostpreis UEFA-Cup in Gefahr. "Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir geben uns noch nicht geschlagen", bemerkte Trainer Ottmar Hitzfeld trotzig und forderte kurzerhand sechs Punkte aus den letzten zwei Partien: "La Coruna können wir schlagen, und gegen Lens muss man zu Hause gewinnen."

Optimistische Rechnung

Die Bayern-Rechnung kann nur noch so aufgehen: Mit zwei Siegen käme man am Ende auf sieben Punkte und könnte La Coruna (6) und Lens (4) noch überholen, wenn Milan Schützenhilfe leistet. Der verletzt ausgeschiedene Kapitän Oliver Kahn glaubt daran: "Irgendwann wendet sich das Blatt, weil so viel Unglück, wie wir bisher in der Champions League hatten, kann man nicht haben. Wir machen bessere Spiele als letztes Jahr, aber es kommt nichts dabei heraus."

Kahn verletzt

Kurz nach der Pause zog sich der Torhüter einen Muskelfaserriss oberhalb des rechten Knies zu, die medizinische Abteilung rechnet auch mit einem Ausfall Kahns im "Endspiel" am kommenden Dienstag in La Coruna. "Das kann man jetzt noch nicht sagen", verbreitete Kahn Hoffnung. "Er ist natürlich nicht zu ersetzen. Ohne Kahn in La Coruna - dann wird's schwer", meinte Beckenbauer skeptisch.

"Unfehlbarer Inzaghi"

Serginho (10.) und Stürmerstar Filippo Inzaghi (64.) mit seinem achten Treffer in der laufenden Champions-League schossen die Italiener vor 75.000 Zuschauern in die nächste Runde. "Der unfehlbare Inzaghi", meinte "Il Nuovo", "Milan fliegt auch in Europa auf und davon", schwärmte "La Stampa". (APA)

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    Bayern-Spieler Michael Ballack beobachtet seine Mailänder Kollegen beim Torjubel.

  • Ein enttäuschter und zudem verletzter Oliver Kahn bei der Rückkehr am Münchner Flughafen.

    Ein enttäuschter und zudem verletzter Oliver Kahn bei der Rückkehr am Münchner Flughafen.

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