Grüne: Gehrer missbraucht PISA-Studie

24. Oktober 2002, 14:25
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Hochschülerschaft spricht von "vorgegaukelter" Mitbestimmung

Wien - Den Missbrauch der PISA-Studie werfen die Grünen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) vor. Der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, kritisiert, dass die Ministerin Österreich nur mit Deutschland vergleiche, Österreich sollte sich lieber an den erfolgreichsten Ländern wie Finnland orientieren, so Brosz in einer Aussendung. "Am Abend wird der Faule fleißig", erklärte SPÖ-Bildungssprecher Dieter Antoni zu den Ankündigungen Gehrers. Schulqualitäts- und -entwicklungsprogramme müssten schon längst umgesetzt sein.

Für Brosz hat PISA aufgezeigt, dass das zentrale Problem Österreichs die Abhängigkeit der Schüler vom sozialen Status ihrer Eltern sei. Eine Erklärung sei neben kaum vorhandener Vorschulmaßnahmen und zu geringen Fördermaßnahmen schwächerer Schüler die frühe Trennung im österreichischen Schulsystem. Zertifizierungen, wie sie Gehrer anstrebt, würden in einem System, in dem die Schulwahl zentral für die weiteren Bildungschancen sei, eine Verschärfung der sozialen Problematik bedeuten, meinte Brosz.

Antoni bewertet Leistungsfeststellungen an Schulen grundsätzlich positiv, allerdings würden dazu ein schulpartnerschaftliches Schulqualitäts- und -entwicklungsprogramm gehören. Zum Vorwurf Gehrers, die SPÖ trete für eine Gesamtschule ein, meinte Antoni, weder im aktuellen Bildungsprogramm noch in irgendeinem Wahlkampffolder sei von einer Gesamtschule die Rede. Es gehe vielmehr um sinnvolle, intelligente Kooperationen zwischen verschiedenen Schulformen, wie etwa AHS-Unterstufe und Hauptschule, aber auch z.B. zwischen Hauptschule und berufsbildender höherer Schule.

Kritik an dem von Gehrer präsentierten Studenten-Ideen-Pool "Improve" übt die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Das Projekt stelle eine "Vorgaukelung von Partizipationsmöglichkeiten" dar. Gehrer habe in ihrer Funktionsperiode keinen Wert auf die Meinungen, Ideen und Vorschläge der Studenten gelegt. Eine Verbesserung an den Unis für die nächste Legislaturperiode in Aussicht zu stellen, sei blanker Zynismus. Die Hochschulen bräuchten jetzt zusätzliche finanzielle Mittel für Infrastruktur, Lehre und Forschung, so ÖH-Vorsitzende Anita Weinberger. (APA)

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