+++PRO & CONTRA--- Halloween

24. Oktober 2002, 22:49
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Bräuche, bei denen Kinder eine Rolle spielen, sind meistens grausam. Man denke nur an Weihnachten.

+++ Pro

von Markus Mittringer

Mein Gott. Da liegt Jahrhunderte lang Kapital brach, da dürfen, dem pragmatischen Papst Gregor IV sei Dank, seit 837 auch die braven Christenmenschen, dem keltischen Todesfürsten Samhain zu Ehren, eine Nacht lang hemmungslos ihren Heiden raushängen lassen, und dann müssen uns erst recht wieder die einzig wahren Mutigen zeigen, wie man damit Kohle macht. Richtige Kohle, und nicht bloß eine popelige Eintageshausse bei kleinständischen Blumenbindern.

Die haben sofort erkannt, welch enormes Wachstumspotential im einmal jährlich besonders drolligen Verhalten der irischen Einwanderer liegt. Es ist doch ganz einfach: Man braucht dieses kindische nächtliche Herumgehopse mit den toten Seelen doch bloß von allen Anbindungen an potentiell immer obstrukte Fremdkulturen und bedrohlich tiefe Religionen abstrus düsterer Bedeutung zu säubern, den Geistern des alten Europa jenen des modernen Wettbewerbes vorzustellen.

Dann sind all hallows endlich jugendfrei, können auch die Mutigen mit noch kleinen Händen voller zerbrechlicher Finger ohne das Risiko einer Milliardenklage von Haustür zu Haustür ziehen und gefährliche Drohungen aussprechen. Und lernen dabei die Grundlage moderner Kommunikation: "Trick or treat!" Mit gebastelten Kostümen funktioniert so ein Beutezug natürlich nicht. Nur industriell hochgerüstet lässt sich Profit einfahren. Und haben da nicht alle mehr davon, als von zweifelhaften Opfern an undurchsichtige Götter? Der Antihalloweenismus ist eine der gefährlichsten Bedrohungen unserer Zeit.

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- - - CONTRA

von Karl Fluch

Bräuche, bei denen Kinder eine Rolle spielen, sind meistens grausam. Man denke nur an Weihnachten. Den ganzen Tag sägen die ohnehin längst desillusionierten Bälger - ans Christkind glauben? Pfff! - an den Nerven ihrer Eltern, um dann dafür am Abend großzügig beschenkt zu werden. Absurd. Das selbe gilt für Ostern, für den Nikolaus sowieso. Zwar können beim letztgenannten Brauch die Eltern indirekt ihrer antiautoritären Erziehung entsagen und den Krampus unter Zusteckung einer anständigen Summe bitten, den kleinen Scheißern einmal ordentlich mit der Rute übers Sitzfleisch zu ziehen, aber es ist und bleibt ein Stellvertreterkrieg und deshalb unbefriedigend.

Halloween gilt Menschen, die Kinder in ihrer Gegenwart ungefähr so schätzen, wie es von W. C. Fields überliefert ist, als Sonderprüfung unter all den Strafverschärfungen, die sich das Leben für sie so ausdenkt. Bei Halloween ist die Plage nämlich nicht bloß Nebendarsteller, sondern übernimmt die Hauptrolle. Diese ist ihr auch auf den Leib geschrieben: Schnorren. Um Geld und Süßigkeiten. Wobei Geld natürlich besser ist, weil mit Zuckerln kann der Playstation keine neue Software zugeführt werden. Dafür verkleiden sich die Sargnägel auch noch als - Überraschung! - Monster und Zombies. Dafür soll man löhnen? Oh nein! Die einzigen, die von mir Knödel bekommen, sind die Sternsinger. Und zwar dafür, dass sie nicht singen. (Der Standard/rondo/25/10/2002)

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