Osteuropa: Wachstum verlangsamt

24. Oktober 2002, 13:14
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Arbeitslosigkeit als großes Problem

Wien - Die weltweit rückläufige Wirtschaftslage ist auch an den Reformstaaten nicht spurlos vorüber gegangen. Das BIP-Wachstum hat sich im Vorjahr dort verlangsamt, insgesamt bleibt es jedoch deutlich über dem EU-Durchschnitt. Die Binnennachfrage habe die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise gemildert, eine Beschleunigung im kommenden Jahr hänge großteils von der Konjunkturentwicklung in der EU ab, sagte Peter Havlik vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Das WIIW geht von einem BIP-Wachstum von 3,5 Prozent für 2003 im Durchschnitt der vier Länder Tschechien, Ungarn, Slowenien und Slowakei aus.

Polen abgerutscht

"Sehr Besorgnis erregend" sei die Situation dagegen in Polen, wo die Konjunktur nur um 1,3 Prozent im kommenden Jahr zulegen werde. Die Wirtschaft stagniere, die Binnennachfrage sei gering, Investitionen gehen zurück, die realen Zinsen seien hoch und das Budgetdefizit wachse, so Havlik. Damit sei Polen vom Musterschüler Mitte der 80er Jahre zum Schlusslicht der Reformstaaten geworden. Das WIIW sei aber "optimistisch", dass sich die Lage in Polen verbessern werde.

Trotz einer gewissen Wachstumsverlangsamung gegenüber dem Rekordjahr 2000 bleibe das Tempo des Aufholprozesses gegenüber der EU mit etwa 2 Prozentpunkten pro Jahr aufrecht, auch wenn die EU-Konjunktur nur wieder langsam in Schwung komme, betonte Havlik. Nach der EU-Osterweiterung werde eine heterogene wirtschaftliche Situation in Europa entstehen, mit großen Unterschieden im Entwicklungsniveau. Selbst das am weitesten entwickelte Land Slowenien werde 2015 noch nicht die durchschnittliche Kaufkraft gemessen am BIP pro Kopf erreicht haben.

Arbeitslosigkeit

Das größte Problem in den Reformländern ist nach wie vor die Arbeitslosigkeit. Bisher seien auch keine Tendenzen zu einer Besserung sichtbar, so Havlik. Besonders schlimm sei die Lage in Polen, der Slowakei, Bugarien, Rumänien und im ehemaligen Jugoslawien, wo die Arbeitslosenrate sogar um die 30 Prozent liegt.

Inflation niedrig

Die Inflation sei in der Regel in den meisten Ländern niedrig und stelle kein Problem dar. Die reale Aufwertung der meisten mittel- und osteuropäischen Währungen und die stockende Nachfrage aus dem EU-Raum führten aber zu einer Abschwächung der Produktion und des Außenhandels. Die Industrieproduktion wachse nur langsam, in einigen Reformländern sei sie sogar rückläufig, analysiert Havlik. Dies beeinflusse - gekoppelt mit einem geringen Anstieg der Produzentenpreise - die finanzielle Lage der Unternehmen negativ.

2003 könnte die private Binnennachfrage vor allem in Ungarn und der Slowakei wieder zurück gehen, zumal diese im Vorfeld der Wahlen mittels höherer Löhne und Einkommen gezielt gesteuert worden sei. Dies sei jedoch auf Kosten des Budgetdefizits gegangen, was nun nach den Wahlen wieder korrigiert werden müsse. Nun könnte sich aber wieder der Außenhandel als Wachstumsmotor entwickeln.

Hohe Budgetdefizite

Das Budgetdefizit liege in den meisten Ländern zwischen 4 und 6 Prozent des BIP. In Ungarn, Tschechien, der Slowakei und Polen habe es in den vergangenen Jahren zugenommen. Mit dem EU-Beitritt werde jedoch Druck auf die Länder entstehen, ihre Budgets zu senken, was wiederum ausgabenseitige Reformen notwendig mache. (APA)

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