Vermittler Michel Minnig hat Erfahrungen mit Geiselnahmen

25. Oktober 2002, 15:31
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Chef der IKRK-Delegation verhandelt mit Tschetschenen-Rebellen

Genf - Der 50-jährige Schweizer Michel Minnig hat bereits vom Dezember 1996 bis April 1997 in Peru bei einer Geiselnahme vermittelt. Seit 1999 ist er Chef der IKRK-Delegation in Moskau und hat zusammen mit anderen Vermittlern am frühen Donnerstag Nachmittag ein erstes Gespräch mit den tschetschenischen Geiselnehmern in einem Theater der russischen Hauptstadt geführt.

Minnig wurde am 20.März 1952 in Lax im Kanton Wallis geboren. Nach seinem Studium am Genfer Universitätsinstitut für Internationale Beziehungen (HEI) nahm er 1986 seine Arbeit beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) auf. Er war IKRK-Delegierter im Irak, Nicaragua, Libanon, im Norden Kenias (Sudan), in Ruanda, Bosnien-Herzegowina und Aserbaidschan.

Im August 1996 wurde er Delegationschef in Peru. Am 17. Dezember drang ein Kommando der Revolutionären Bewegung Tupac Amaru (MRTA) während eines Empfangs anlässlich des Geburtstags des japanischen Kaisers Akihito in die japanische Botschaft in Lima ein.

Das Kommando nahm 700 Menschen als Geiseln und forderte die Freilassung von 440 inhaftierten MRTA-Mitgliedern. Am 18. Dezember wurde Minnig offizieller Vermittler zwischen der Regierung und den Geiselnehmern. Es begannen lange Verhandlungen, die Krise sollte 126Tage dauern.

Ende Jänner waren noch 72 Menschen in den Händen der Geiselnehmer. Die Verhandlungen wurden mehrmals abgebrochen, die Regierung weigerte sich, die Gefangenen freizulassen. Am 22. April wurden die 72 Geiseln von mehr als hundert Militärs gewaltsam befreit. Dabei wurden 17 Menschen getötet: 14 Mitglieder des Kommandos, eine Geisel und zwei Soldaten.

Das gewaltsame Ende der Krise löste bei Minnig gemischte Gefühle aus, wie er damals erklärte. Aber er hielt die Vermittlung des IKRK als neutrale Organisation nicht für vergeblich.

Minnig blieb bis Juni 1997 in Peru. 1998-99 war er Delegationschef im Irak. Im August 1999 ging er nach Moskau.

Das IKRK verfügt in Russland über 32 Delegierte, davon sind 15 in Moskau und 17 in Naltschik. Die humanitäre Organisation besucht tschetschenische Gefangene. Ein entsprechendes Abkommen war Ende März 2000 zwischen dem IKRK und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen worden. (APA/sda)

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    Michel Minnig Als Vermittler in Lima 1996

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