Achtung "Zinsenfresser"

29. Oktober 2002, 17:22
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AK-Test: Beachtliche Zinsunterschiede bei heimischen Banken - Konsumentenschützer warnen vor Zinsfallen

Wien - Beachtliche Zinsunterschiede bei gleicher Sparbuchlaufzeit hat die Arbeiterkammer (AK) bei einem im Oktober durchgeführten Sparbuchzinsentest geortet. Bei täglich fälligen Sparguthaben reichen die angebotenen Zinssätze der zehn untersuchten Banken von 0,125 bis 3 Prozent pro Jahr. Bei Sparbüchern mit Bindungsfrist auf 6 Monate boten die Kreditinstitute ab einem Betrag von 4.000 Euro zwischen 1,25 Prozent und 2,5 Prozent an. Die AK fragte nach den Konditionen für einen Einmalerlag von 4.000 Euro und einem monatlichen Sparbetrag von 30 Euro.

Durchwegs die höchsten Zinsen bei den von ihnen angebotenen Sparprodukten zahlen laut AK die Österreichische Verkehrskreditbank (ÖVKB) und die Hypo NÖ (bei jeweils drei Produkten), während die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) in vier von sechs Kategorien die geringsten Zinsen anbietet.

Große Banken knausrig

Bei den täglich fälligen Guthaben sind die großen Banken am wenigsten zahlungswillig, ergab der Test. Bei BA-CA, Erste Bank und Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien bekommt der Sparer dafür bloß 0,125 Prozent. Die höchsten Zinsen in dieser Kategorie zahlt mit 3 Prozent die Österreichische Verkehrskreditbank (ÖVKB) für das Easy d'or Sparbuch, dessen Verfügung aber nur über den Sparbuchautomaten möglich ist. 2 Prozent bekommt man für die Sparcard der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV), 0,5 Prozent zahlen die BAWAG und die Oberbank, 0,375 Prozent bekommt man bei der Hypo NÖ, und jeweils 0,25 Prozent zahlen die Volksbank Wien und die P.S.K..

Für Sparbücher mit einer Bindungsfrist von 6 Monate bekommen Kurzfrist-Anleger bei der Hypo NÖ am meisten. Sie zahlt 2,5 Prozent. Die geringsten Zinsen verrechnen die Volksbank Wien und die BTV mit jeweils 1,25 Prozent. Kapitalsparbücher mit einjähriger Bindungsfrist werden ebenfalls bei der Hypo NÖ mit 2,875 Prozent am besten verzinst. Am wenigsten zahlt die BA-CA mit 2,5 Prozent. Bei dreijähriger Bindung fährt man mit der ÖVKB am besten, sie zahlt 3,9 Prozent. Danach folgen die BAWAG und P.S.K. mit 3,75, Prozent. Am wenigsten zahlt die Oberbank mit 3,125 Prozent (für 42 Monate). Auch bei fünfjähriger Bindung liegt die ÖVKB mit 4,2 Prozent in Front. Nur 3,5 Prozent bekommt man bei Oberbank und Volksbank Wien.

Bei den Prämiensparbüchern mit zweijähriger Laufzeit liegen die angebotenen Zinssätze zwischen 2,125 (BA-CA) und 3 Prozent (Hypo NÖ). Prämiensparbücher mit vierjähriger Laufzeit werden zwischen 2,625 (BA-CA) und 3,5 Prozent (BAWAG) verzinst. Beachtliche Unterschiede ergaben sich auch bei den Kontoschließungsgebühren. Bis zu 4 Euro (BTV) muss der Sparer dafür berappen. Keine Schließungsgebühren fallen nur bei der BA-CA, BAWAG, ÖVKB und P.S.K. an.

Zinsfallen

Die AK warnt auch vor "Zinsenfallen", die die Zinserträge erheblich schmälern können. "Bei einer vorzeitigen Behebung des Sparbuches mit Bindungsfrist lauert die Vorschusszinsenfalle", so AK-Konsumentenschützer Harald Glatz. Die Vorschusszinsen würden pro vollen Monat ein Promille der vorzeitig behobenen Einlage betragen. Weitere "Zinsenfresser" seien Schließungsspesen und plötzliche Zinsensenkungen bei Sparbüchern mit variablem Zinssatz. Die AK fordert deshalb klare Zinsanpassungsregeln bei Sparbüchern mit variabler Verzinsung und verbesserte Infos bei der Sparbuchberatung. Die Verrechnung von Vorschusszinsen müsse nachvollziehbar erklärt werden. Daher müsse ein Vorschusszinsen-Berechnungsbeispiel zur Regel bei der Beratung werden.

Tipps

Für Sparer hat die AK folgende Tipps parat:

  • Kontrollieren Sie anlässlich des Weltspartages die Verzinsung auf Ihren Sparbüchern und verhandeln Sie gegebenenfalls die Zinssätze nach. Ein Blick auf das Angebot der Konkurrenz kann für Verhandlungen nützlich sein.

  • Überprüfen Sie die Bindungsfristen. Sie sollten sich fragen, ob die Bindungsfristen Ihrem Veranlagungszweck (z.B. Notpolster oder Sparen für Wohnung) angepasst sind, und wie rasch Sie das angelegte Geld benötigen.

  • Benötigen Sie Ihr Sparguthaben länger nicht, lohnt es sich, eine zeitliche Bindung zu vereinbaren, die mehr Zinsertrag bringt.

  • Fragen Sie vor Abschluss eines Kapitalsparbuches nach der Zinsstaffel für vorzeitige Behebungen.

  • Achten Sie auf die Vorschusszinsenfalle bei gebundenen Sparbüchern. Fragen Sie nach, wann Beträge vorschusszinsenfrei behoben werden können.

  • Manche Banken bieten so genannte Spar-Cards für täglich fälliges Geld an. Die Verzinsung ist meist attraktiver als bei Sparbüchern, die täglich fällig sind. Achten Sie aber auf anfallende Kosten (Kartengebühr, Kontoführungsgebühr oder Behebungsgebühr am Schalter) bei Sparcards, die den Ertrag deutlich schmälern können.

  • Die gesetzliche Einlagensicherung in Österreich beträgt 20.000 Euro pro Person. (APA)

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    Der Vergleich macht sicher: Die von den heimischen Banken angebotenen Zinsen für Sparguthaben variieren erheblich, hat ein Test der Arbeiterkammer ergeben.

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