Kritik an Googles heimlicher Zensur

25. Oktober 2002, 00:50
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Juristen veröffentlichen Studie zum Suchindex – Lokale Ableger der Suchmaschine beinhalten weniger Daten

Die zwei Juristen Jonathan Zittrain und Benjamin Edelman von der Harvard Law School haben eine Studie über die Filtermaßnahmen bei Google.de und Google.fr. veröffentlicht. Die Untersuchung beweist, dass die Google-Ableger und Google.com zwar die gleiche Indexgröße angeben, aber nicht die gleichen Daten beinhalten.

113 umstrittene Websites

Der Nachweis dafür ist einfach: Die Juristen suchten mehreren tausend Sites bei Google.com und seinen Ablegern in Deutschland und Frankreich. Bei der deutschen und die französischen Version der Internet-Suchmaschine Google fehlten dabei 113 umstrittene Websites im Suchindex. Über Google.com waren diese Seiten zu finden. Die Autoren verdeutlichen diese Tatsache mit diesem Screenshot.

"Heimliche" Sperrmaßnahmen

Die gesperrten Seiten sind überwiegend dem rechten beziehungsweise rassistischen Lager zuzuordnen. Die Autoren der Studie werfen Google natürlich auch nicht vor, dass Nazi-Sites bei der Anzeige der Suchergebnisse gesperrt werden. Die Wissenschafter kritisieren allerdings, dass Google auf die Sperrmaßnahmen nicht hinweist. Google hat sich ja mittlerweile als wichtigsten Suchhilfen des Internet etabliert, daher sollten die Betreiber wenigstens auf die Filterung der Ergebnisse aufmerksam machen.

Rechtfertigung

Auf Anfragen des Branchenmagazins CNet versucht sich Google Sprecher Nate Tyler dazu zu rechtfertigen: "Unserer Firmenpolitik zu folge informieren wir nicht darüber, wann und warum bestimmte Seiten aus dem Index entfernt werden. Wir entfernen Sites von den Ergebnisseiten, die mit lokalen Gesetzen in Konflikt geraten könnten". Weiters weist er auf Googles "Terms of Service" hin.

Im Internet wurden nun eine Liste der bekannten Fälle veröffentlicht, die Autoren rufen dazu auf, weitere Fälle zu melden. (red)

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    montage: derstandard.at
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