Jede zweite Fahrt mit dem Privatauto ist "unnötig"

24. Oktober 2002, 10:56
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Zu wenig Information über zumutbare Alternativen

Linz - Mindestens jede zweite Fahrt mit dem Privatauto ist "unnötig", man könnte sachlich gesehen dafür ohne weiteres ein öffentliches Verkehrsmittel oder das Fahrrad benützen beziehungsweise überhaupt zu Fuß gehen. Zu diesem Ergebnis kommen neue Studien sowohl in Deutschland als auch in Oberösterreich, die am Donnerstag bei einer Tagung der oberösterreichischen Umweltakademie in Linz präsentiert wurden.

Zumutbare Alternativen

Nur 45 Prozent der Fahrten mit einem Privat-Pkw sind "objektiv" begründet, das heißt, es müssen Personen oder "Lasten" transportiert werden oder es gibt keine zumutbare Alternative im öffentlichen Verkehr. "Bei 55 Prozent aller Auto- beziehungsweise Motorradfahrten lassen sich dagegen keine objektiven Zwänge für eine Nutzung des Pkw oder eines motorisierten Zweirades erkennen. Ökologische Verkehrsalternativen wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder die Zurücklegung des Weges zu Fuß wären in diesen Fällen vorhanden und von den Nutzungsbedingungen her auch zumutbar", so Prof. Reinhold Priewasser vom Institut für betriebliche und regionale Umweltwirtschaft bei der Tagung in Linz.

Mangelnde Information

Für die Experten gibt es eine Reihe von "subjektiven" Gründen, warum trotzdem viele Autolenker nicht auf ihren privaten fahrbaren Untersatz verzichten wollen. Mangelnde Information über die vorhandenen Alternativen sei einer dieser Gründe, so Priewasser, "etwa über Fahrzeiten, Tarife und Strecken bei öffentlichen Verkehrsmitteln".

Auto gilt als bequemer

Weiters schätzen offensichtlich viele Leute die "Qualität" der öffentlichen Verkehrsmittel negativ ein, dies gilt im besonderen für den Faktor "Bequemlichkeit". Schließlich gebe es auch einen beträchtlichen Teil von Autofahrern, die weder objektive noch subjektive Gründe angeben können, warum sie nicht auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Priewasser: "Deren Verhalten lässt sich wohl am besten mit Gewohnheitshandeln erklären".

Als Konsequenzen sehen die Experten einerseits die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur im öffentlichen Sektor an, aber auch die "gezielte Beeinflussung" der Verkehrsteilnehmer durch eine entsprechende Informationspolitik sowie durch eine "kundenorientierte Angebots- und Tarifgestaltung speziell im öffentlichen Verkehr".

Benützung des Fahrrads hängt von der Qualität des Radwegenetzes ab

Was das Fahrrad anlangt, so wäre ebenfalls durch eine bessere "Infrastruktur" der Umstieg vieler Pkw-Freaks auf den Drahtesel zu erreichen. "Klassische Fahrradstädte wie Amsterdam oder Groningen zeichnen sich durch ein dichtes, qualitativ hochwertiges Radwegenetz sowie durch eine verkehrsorganisatorische Bevorrechtung des Fahrradverkehrs speziell im Kreuzungsbereich aus", so Priewasser. (APA)

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