Schüssel gegen rasche EU-Beitrittsverhandlungen mit Türkei

24. Oktober 2002, 10:08
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Differenzen mit Schröder - Aufnahme von Gesprächen mit Ankara beim Kopenhagener Gipfel wäre verfrüht

Wien/Berlin - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel hat sich gegen rasche Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit der Türkei ausgesprochen. Die Türkei habe "einige große Schritte" in Richtung Reformen gemacht, "auf der anderen Seite haben wir jetzt in der Türkei Wahlen, und wir wissen überhaupt nicht, wer gewinnen wird", sagte der österreichische Regierungschef am Donnerstag im Deutschlandfunk. "Man weiß auch nicht, ob die Übergangsfristen, die für die Reformen gewählt worden sind, auch wirklich umgesetzt werden." Eine Aufnahme der Gespräche mit der Türkei beim EU-Gipfel in Kopenhagen Mitte Dezember sei deswegen zu früh, so Schüssel.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder will noch in diesem Jahr ein "Signal" der Europäischen Union für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen mit der Türkei erreichen. Der Gipfel von Kopenhagen sei dafür der späteste Zeitpunkt, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen in Berlin, wo sich der türkische Außenminister und Vizepremier Sükrü Sina Gürel zu Gesprächen aufhält. Die Türkei zieht andernfalls den Abbruch des Dialogs mit EU in Betracht und erwägt die Annexion Nordzyperns. Frankreich, Großbritannien und Luxemburg haben laut Medienberichten signalisiert, die Linie von Schröder zu unterstützen. Die türkischen Parlamentswahlen finden am 3. November statt. (APA/dpa)

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