Ungarn hat die Nase vorn

24. Oktober 2002, 13:35
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Tibor Schindler, Fondsmanager des Raffeisen-Osteuropa-Aktienfonds, erklärt seine Länderfavoriten und warum ab 2007 osteuropäische Aktien lokale Anleihen schlagen werden

Raiffeisen: Kein Star-Prinzip

e-fundresearch: Herr Schindler, Sie sind Fondsmanager des Raffeisen-Osteuropa-Aktienfonds. Wie sieht der Investmentansatz Ihres Fonds aus?

Tibor Schindler: Unser Investmentansatz stützt sich auf fundamentalen Bewertungen. Wir sind weiters bottom-up orientiert, treffen unsere Investmententscheidungen aufgrund dieser fundamentalen Analyse. Von unserer Benchmark, dem Nomura Central Eastern European Index, können wir dabei immer wieder wesentlich abweichen. Bei Raiffeisen arbeiten wir in Teams, verfolgen kein Star-Prinzip, und nützen Synergieeffekte zwischen der Renten- und Aktiengruppe.

Osteuropa: Ab 2007 Aktien besser

e-fundresearch: Was würden Sie einem Osteuropa-Investor raten: Soll er in Anleihen oder in Aktien anlegen bzw. ist der Einstiegszeitpunkt jetzt gekommen?

Tibor Schindler: Bei beiden Assetklassen schätzen wir die Chancen gut ein. Die Volatilität ist bei den Aktienfonds sicherlich höher als bei Anleihenfonds, auch sind die Returns nicht so leicht prognostizierbar. Wir gehen jedoch davon aus, dass in den nächsten fünf Jahren sowohl Aktien als auch Renten gut performen werden. Ab 2007, also etwa ein Jahr nach dem Euro Beitritt einiger osteuropäischer Länder, sollten Aktien Anleihen aber outperformen. Die Inflations- und Zinskonvergenz, die Anleihen bis dorthin unterstützt, ist dann ja vorbei.

e-fundresearch: Wie ist es Ihnen in der Vergangenheit mit dem Fonds ergangen? Was waren Ihre größten Erfolge bzw. Misserfolge, etwa auf Einzeltitelebene?

Tibor Schindler: Der Fonds wurde bereits 1994 gestartet, gehört zu den weltweit ältesten Produkten auf diesem Gebiet. Seit Oktober 2001 hat sich der Fonds sehr positiv entwickelt, und das bis ins zweite Quartal 2002 hinein. Seit damals konnte sich der Fonds der weltweit rückläufigen Entwicklung auch nicht ganz entziehen. Bereits in den Sommermonaten zeigte sich dann aber eine beeindruckende Outperformance, die sich bis zum heutigen Tag fortgesetzt hat. In diesem Jahr haben wir bis Oktober 16 % Wertzuwuchs erzielt. Verglichen mit den Weltbörsen (MSCI-World) ergibt sich sogar eine Outperformance von 40 %. Und durch den geplanten EU-Beitritt der mitteleuropäischen Staaten 2004 sehe ich auch langfristig noch Potential.

Ungarn hat die Nase vorn

e-fundresearch: Kommen wir zur Länder Allocation. Was sind hier Ihre Favoriten?

Tibor Schindler: Die RZBhat in Zusammenarbeit mit dem WIFO einen Osterweiterungsindex entwickelt. Aufgrund dessen erwarten wir von Polen, Ungarn, Tschechien und Slowenien die größten Fortschritte. An vorderster Front der Beitrittskandidaten würde ich sogar Ungarn nennen, gefolgt von Slowenien, der Tschechischen Republik und Polen.

Aber auch andere Länder haben schon beachtliche Fortschritte gemacht – nur können wir dort noch nicht in ausreichendem Maße investieren, weil die Kapitalmärkte dort noch nicht genügend entwickelt sind.

Darüber hinaus mögen wir Russland sehr - hier findet man dann auch unsere größten und liquidesten Titel des Portfolios. Aufgrund der Ölpreisentwicklung präferieren wir russische Ölaktien bzw. mögen auch lokale Telekomaktien. Deshalb auch unsere hohe Ländergewichtung von aktuell über 40 Prozent.

Die Gewichtung von Polen haben wir in den letzten Monaten zugunsten von Ungarn verringert. Dort wurde die wirtschaftliche Entwicklung durch die Hochzinspolitik vorübergehend beeinträchtigt. In Tschechien sind wir etwas zurückhaltend, weil die lokale Währung zum Euro stark aufgewertet hat.

Weltweit einziger Osteuropa Fonds mit AAA-Rating

e-fundresearch: Wie unterscheidet sich Ihr Produktnun von vergleichbaren Fonds? Was macht dem Raiffeisen-Osteuropa-Aktienfonds Ihrer Meinung nach einzigartig?

Tibor Schindler: Wir haben eine Infrastruktur, die uns zu einem kompetitiven Vorteil verhilft. Raiffeisen war bereits vor der politischen Wende in diesen Ländern vertreten und hat mittlerweile beachtliche lokale Research-Kapazitäten aufgebaut. Die lokalen Analysten haben einen wesentlich besseren Kontakt zu den Firmen als etwa Institute in Frankfurt, London oder Übersee. Langfristig wird die starke Researchorientierung ein nicht zu unterschätzender Vorteil für uns bleiben.

In Wien haben wir eine Research Datenbank aufgebaut, die wir mit all diesem Input füttern und helfen dem Fondsmanager um eine Entscheidung effizient vorbereiten zu können.

All diese Infrastrukturmaßnahmen haben uns ermöglicht, sowohl seit Fondsbeginn als auch über ein, drei bzw. fünf Jahre, eine überdurchschnittliche Performance und eine sehr günstige Sharpe-Ratio zu erzielen. Mit gewissem Stolz darf ich dann schlussendlich auch noch erwähnen, dass unser Fonds der weltweit einzige Osteuropa-Fonds ist, der ein AAA Rating von S&P besitzt.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

Das gesamte Interview finden Sie als Audio/Video unter http://www.e-fundresearch.at/cgi-bin/show_article/2123

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