Geiselnahmen durch tschetschenische Rebellen

24. Oktober 2002, 08:38
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Überfälle in Südrussland mit 1.000 Geiseln - Aber auch Aktionen im Ausland

Moskau - Tschetschenische Rebellen haben in ihrem Kampf um die Unabhängigkeit von Russland schon häufiger auch außerhalb ihres Landes Geiseln genommen.

- Der dreisteste Überfall, der wohl zum Vorbild für weitere ähnliche Taten geriet, wurde 1995 von dem Kommandant Schamil Bassajew angeführt. Er stürmte mit Dutzenden Kämpfern in die südrussische Stadt Budjonnowsk und nahm dort mehr als 1.000 Menschen in einem Krankenhaus als Geiseln. Russische Truppen versuchten zwei Mal vergeblich das Gebäude zu stürmen. Dabei wurden mehr als hundert Menschen getötet. Schließlich einigten sich die Sicherheitskräfte und Bassajew darauf, dass er die Geiseln frei lässt und dafür in die Berge fliehen darf. Er ist immer noch auf freiem Fuß und einer der meistgesuchten Männer Russlands.

- Der tschetschenische Kommandant Salman Radujew überfällt 1996 die südrussische Stadt Kisljar und nimmt in einem Krankenhaus mehrere hundert Geiseln. 78 Menschen sterben in Feuergefechten. Radujew wurde im Dezember zu lebenslanger Haft verurteilt.

Wiederholt gab es auch größere Geiselnahmen im Ausland, besonders in der Türkei:

- Im November 1991 entführen vier tschetschenische Luftpiraten ein sowjetisches Verkehrsflugzeug nach Ankara. Die Maschine fliegt dann wieder nach Grosny. Die Flugzeugentführer erklären, sie wollten mit ihrer Aktion gegen das russische Vorgehen in ihrer Heimat protestieren.

- Im türkischen Schwarzmeerhafen Trabzon bringen 1996 acht bewaffnete Tschetschenen eine Fähre mit 242 Personen an Bord in ihre Gewalt. Sie drohen, das Schiff in die Luft zu sprengen, wenn der Kampf um das tschetschenische Dorf Perwomaiskaja nicht aufhört. Nach vier Tagen ergeben sich die Entführer.

- 2001 wird eine russische Verkehrsmaschine auf dem Flug von Istanbul nach Moskau von Tschetschenen entführt und zur Landung in Medina gezwungen. Saudiarabische Spezialkräfte stürmen das Flugzeug, dabei werden drei Menschen getötet und mehrere verletzt.

- Im April dieses Jahres stürmten schließlich rund 20 bewaffnete Männer, die den tschetschenischen Rebellen nahe stehen, in ein Luxushotel in Istanbul und nehmen etwa 30 Menschen als Geiseln. Sie fordern ein Ende der russischen Militäraktion in Tschetschenien. Nach einem Gespräch mit dem türkischen Innenminister ergeben sie sich.

Geiselnahme und Lösegelderpressungen finden sich auch in der tschetschenischen Geschichte. So beschreibt der russische Schriftsteller Leo Tolstoi in einer seiner Kaukasus-Novellen die Geiselnahme von zwei russischen Soldaten in den 1850er Jahren, die sehr an das Tschetschenien des 21. Jahrhunderts erinnert und auch zur Vorlage für den Film "Gefangen im Kaukasus" von 1996 wurde. (APA/AP)

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