Afrika rockt das Haus

24. Oktober 2002, 18:48
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Neues Material vom wunderbaren Orchestre Baobab aus Dakar: Auf zur Party. Jetzt!

Das wunderbare Orchestre Baobab aus Dakar veröffentlicht nach Jahren in der Obskurität von Sammlerkreisen und zahllosen Raubkopien ein Album mit neuem Material. Auf zur Party. Jetzt!


Im Frühjahr ist mit der bei Trikont/Hoanzl erschienenen Kompilation "Africa Raps" eine fundierte Bestandsaufnahme aktueller afrikanischer Musiken mit dem Schwerpunkt auf die Einflüsse des angloamerikanischen Hip-Hop auf junge Musiker aus Senegal oder Mali erschienen. Dass gerade im Senegal und dessen Hauptstadt Dakar aber schon vor 30 Jahren ein wundervoller, die Kontinente überspannender Sound entstanden ist, belegten im Vorjahr die nach langen Jahren wieder aus der Obskurität von überteuerten Sammlerkreisen geretteten und neu abgemischten Bootlegs des Orchestre Baobab.

Die beim mit dem kubanischen Buena Vista Social Club reich gewordenen britischen Label World Circuit edierten Aufnahmen Pirate's Choice belegten dabei nicht nur eine heute noch sensationell klingende Fusion aus afrikanischen, kubanischen und südamerikanischen Klängen. Man hörte hier bei Klassikern des Orchestre Baobab, zum Beispiel dem eindringlichen und textlich düsteren "Hit" Utrus Horas, einer Prophezeiung späterer grauenvoller Bürgerkriege in Afrika und diverser Guerillakriege im Süden des Senegals, wie diverse lokale Stammeseinflüsse mit der ursprünglich aus Westafrika stammenden, aber auf Kuba zur Meisterschaft gebrachten Rumba vermischt wurden. Neben traditionellen afrikanischen Volksmusik-Instrumenten gingen dmaals vor allem auch die in den durchaus eleganten Nachtclubs von Dakar beliebten, westlichen elektrischen Gitarren und Bläsersätze eine wundersame Beziehung ein.

Das nach dem gleichnamigen Nachtclub benannte Orchestre Baobab, das im Umfeld des später als Worldmusik-Star international gefeierten Youssou N'Dour zwischen 1970 und 1985 insgesamt über 20 Alben aufnahm, schaffte damals allerdings nie so recht den Sprung vom Kultstatus zur kommerziell abgesicherten Laufbahn. Aufgrund tragischer politischer und persönlicher Umstände, der Kriegswirren und der Schließung des Club Baobab 1979 fiel die Band schließlich auseinander. Erst vor ein, zwei Jahren konnten Bandmitglieder wie der wunderbare und mittlerweile als Rechtsanwalt in seiner ursprünglichen Heimat Togo tätige autodidaktische Gitarrist Barthelemy Attisso dazu gewonnen werden, im Rahmen der Veröffentlichung von Pirate's Choice wieder zusammen zu kommen und erstmals auch in Europa eine Tournee zu absolvieren.

Mit dem in London eingespielten Album Specialist In All Styles wird jetzt allerdings nicht nur Rückschau auf die große Zeit des Afro-Pop in den 70er-Jahren gehalten. Mit Gästen wie Youssou N'Dour oder Ibrahim Ferrer vom Buena Vista Social Club und neuen Musiker versucht die Rumpfmannschaft des alten Orchestre Baobab auch durchaus, bezüglich vorsichtig eingesetzter Studiotechnik und einer Verschärfung der rhythmischen Gangart ans Heute anzuschließen. Ein wunderbar optimistisches Partyalbum für die ganze Familie. Vor allem live in Österreich sollte dann das Tanzbein geschwungen werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26./27.10.2002)

Von
Christian Schachinger

Service

Orchestre Baobab - Specialist In All Styles (Lotus)
Live:
12. 11., Szene Wien.
13. 11., Innsbruck Treibhaus
  • Orchestre Baobab Bamba(Zomba)
    foto: zomba

    Orchestre Baobab
    Bamba
    (Zomba)

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