Trocken und nass

28. Oktober 2002, 11:32
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Trockenheit, Hagel, Flutkatastrophe, Kälte - der Wein-Jahrgang 2002 war und ist für Österreichs Winzer ein Sorgenkind. Aber ein schönes

Die Menge alleine und im Generellen gesehen wär's ja nicht: Laut Erhebungen von Statistik Austria ist auch heuer wieder mit 2,5 Millionen hl Wein aus Österreich zu rechnen, das ist immerhin um etwa fünf Prozent mehr als im mengenmäßig eher schwachen Jahr 2001. Ein mittelschwaches Jahr also.

Was das Institut aber nicht erhebt, ist die Befindlichkeit der Kellerberge, Singerriedels, Heiligensteine, Lämmer, Salzberge, Hallebühls und Perwolffs, deren Qualität ist es dann allerdings, die einen Wein-Jahrgang in Folge als juhu oder buhh gelten lassen. Und dieser Jahrgang machte es - gesamt gesehen - den Winzern einerseits wieder einmal nicht sehr leicht, andererseits jede Menge Arbeit: Extrem früher Austrieb aufgrund des warmen Frühlings, Turbo-mäßige Entwicklung, bisweilen mehr als zwei Wochen Vegetationsvorsprung. Und dann kamen der Hagel und das Wasser - im Burgenland war ersteres das Problem, im Kamptal und in der Wachau wurden nicht wenige Weingärten und Keller durch die Fluten zerstört. Die einsetzende Kälte und die hohe Feuchtigkeit, die den ganzen Herbst prägten, haben einstweilen aber weniger Schaden angerichtet als zu befürchten war, zumindestens dort, wo man sich pingelig um die Pflege der Weinstöcke gekümmert hat.

Klar wäre das feuchte Wetter nicht so günstig, meint Franz Hirtzberger aus Spitz in der Wachau, aber die Reife der Trauben, die jetzt noch am Stock hängen, sei gut, von der Zuckergradation vergleichbar mit 2000, besonders beim Riesling versehen mit sehr viel höherer Säure. "Dass es ein kleiner Jahrgang wird, so viel kann gar nicht mehr schief gehen", meint Mister Singerriedel, "wir erwarten ein hervorragendes Ergebnis". Auch Fred Loimer aus Langenlois bestätigt, dass die Reife von Veltliner und Riesling höher sei als letztes Jahr, die Säure ungefähr so wie letztes Jahr, dass aber erhebliche Mengenverluste in Kauf genommen werden müssten. Ein Trost bleibt: "Heuer wird der Riesling wieder besser als der Veltliner und die Burgunder-Sorten sind ganz groß."

In der Südsteiermark sei so weit alles im Keller, berichtet Alois Gross aus Ratsch. Die Menge sei um etwa ein Viertel kleiner als voriges Jahr, aber dafür könne man wieder mit steirischen Trockenbeerenauslesen rechnen. Als "sehr gebietstypisch" beurteilt der Winzer die Aroma-Charakteristik der Sauvignons, "mehr geprägt von grünen Früchten, nicht so sehr die gelben Komponenten". Peter Malberg vom Weinviertler Weingut Graf Hardegg schätzt, dass es sich beim 2002er um einen tollen Lager-Jahrgang handeln werde, "niederer PH-Wert, viel Alkohol, viel Fruchtcharme, ein großer Riesling-Jahrgang".

"Traumhaft!", lässt Franz Weninger aus Horitschon hinsichtlich seiner Einschätzung wenig Zweifel offen. Alles hätte gepasst, sämtliche Rotweine seien im Keller, sogar der Cabernet. Der Zweigelt sei besser als erwartet, schön fett und dicht, der Blaufränkisch zeichne sich durch lebendige Säure, süße Extrakte und viel Fleisch aus, und der Merlot soll überhaupt ganz besonders sein: "Ich habe noch nie solche Trauben gesehen - winzige Beeren, höchstens 55 Prozent Saft-Ausbeute, da werden etliche sogar die 2000er übertreffen!" Und auch Heike Heinrich aus Gols bestätigt die positive Rotwein-Einschätzung: "Das wenige, was wir heuer haben, wird sicher nicht das schlechteste sein."

Bleibt noch der Süßwein: Mit der Lese der Botrytis-Trauben fängt Alois Kracher gerade erst an, mit einer geringen Menge aber sehr guter Qualität sei zu rechnen, verrät er, "Säure, Zucker, PH-Wert, alles auf Top-Level". Und wegen der sehr kalten Herbst-Nächte sei der Frucht-Ausdruck besonders markant, "es ist wie im Jahr 1999, da ist für alle viel drin, für die weißen, die roten und die süßen". (Der Standard/rondo/Florian Holzer/25/10/02)

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    foto: wine & partners
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