Rotes Kreuz beginnt Verhandlungen

24. Oktober 2002, 12:52
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Auch "Ärzte ohne Grenzen" vor Ort - Rebellen halten weiterhin hunderte Menschen fest - Ultimatum für Beendigung des Tschetschenien-Krieges

Moskau - Vertreter des Roten Kreuzes haben am Donnerstagnachmittag in Moskau Verhandlungen mit den tschetschenischen Geiselnehmern in einer Konzerthalle begonnen. Zwei Schweizer Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, ein britischer Journalist sowie ein russischer Duma-Abgeordneter hätten das Gebäude betreten, teilte ein Sprecher des Inlandsgeheimdienstes FSB in Moskau mit. Die Rebellen halten seit Mittwochabend noch immer bis zu 800 Besucher und Darsteller einer Musical-Aufführung in ihrer Gewalt. Drei Kinder und eine Frau seien am Nachmittag freigelassen worden, meldete die Agentur Interfax.

Auf Verlangen der tschetschenischen Geiselnehmer hat sich auch ein Vertreter der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) am Ort des Geschehens. MSF werde sich allerdings nicht an den Verhandlungen beteiligen, teilte die Organisation mit.

Unter den Geiseln sind unter anderem auch eine Österreicherin, Leute aus den USA, Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden, Bulgarien, Kanada, Australien, Lettland, Moldawien, Weissrußland, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien, Georgien und der Ukraine.

Zwei Polizisten erschossen

Die tschetschenischen Rebellen haben nach eigenen Angaben eine Polizistin und einen Polizisten erschossen. Die beiden Beamten hätten versucht, in das von der Polizei umstellte, aber von den Rebellen kontrollierte Gebäude einzudringen, war am Donnerstagmorgen laut ORF-Radio auf der Homepage der Tschetschenen zu lesen. Eine Bestätigung der Moskauer Polizei gibt es nicht.

"Beendigung des Tschetschenien-Krieges"

Die Geiselnehmer setzten der russischen Regierung ein Ultimatum. Moskau habe sieben Tage Zeit, seine Truppen aus Tschetschenien abzuziehen und den Einsatz in der Kaukasusrepublik zu beenden, erklärten die Rebellen Donnerstag Früh. Andernfalls werde das Musicaltheater in der russischen Hauptstadt in die Luft gesprengt.

Das Gebäude war von Spezialeinheiten umstellt. Anzeichen für eine anstehende Erstürmung des Gebäudes gab es jedoch nicht.

Selbstmordkommando

Die Geiselnehmer bezeichnen sich auf ihrer Homepage als "Selbstmordkommando". Ihr Anführer, Feldkommandant Mowsad Barajew, wird dort mit den Worten zitiert, dass seine Kämpfer "nicht zum Überleben, sondern zum Sterben" nach Moskau gekommen seien. Bei Barajew handelt es sich um einem Neffen des tschetschenischen Rebellenführers Arbi Barajew, der nach russischen Armeeangaben im Juni vergangenen Jahres getötet worden war.

Nachdem die Rebellen während des zweiten Aktes des Musicals "Nord-Ost" das Theater besetzt hatten, wurde von Schießereien in mehreren Teilen des fünfstöckigen Gebäudes berichtet. Angaben über Opfer lagen aber zunächst nicht vor. Ein Augenzeuge sagte, nach der Besetzung seien in einer Ecke des Zuschauerraumes, auf einem der Balkone und hinter der Bühne einige Schüsse gefallen. Einer der Freigelassenen berichtete, die Rebellen hätten Sprengsätze in dem Gebäude angebracht.

Viele Sprengsätze im Gebäude

Eine verängstigte Geisel appellierte über ihr Mobiltelefon und im Fernsehsender NTW direkt übertragen an die Sicherheitskräfte, das Gebäude nicht zu stürmen: "Bitte versucht keine Erstürmung. Es sind dort viele Sprengsätze. Eröffnet nicht das Feuer auf sie (die Geiselnehmer)!" (APA/Reuters/dpa)

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    Ein russischer Soldat der Anti-Terror-Einheit Alfa vor dem Theater.

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    Eine Geisel vor dem Theater

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    Zwei Mitarbeiter des Roten Kreuzes betreten mit einer weißen Fahne das Theater

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    Der mutmaßliche Anführer der Rebellen, Feldkommandant Mowsad Barajew

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    Eine schwangere Frau verlässt das Moskauer Theater - etwa 200 Geiseln wurden bereits freigelassen

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