Brief unterstellt tödliche Ignoranz

23. Oktober 2002, 20:16
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US-Zeitung zitiert Details aus der Nachricht des Heckenschützen

Washington - Folgt man den Auszügen des "Sniper-Briefs", die von der Washington Post zitiert wurden, entstehen Zweifel an der Kompetenz der Polizeiarbeit. Demnach steht in dem nahe des Tatorts vom vergangenen Samstag gefundenen Schreiben nicht nur, dass sechs Telefonanrufe des Täters bei Polizeistellen ignoriert worden seien. Es sind auch noch die Namen der Polizeibeamten, die angeblich einfach "aufgelegt haben", angeführt. "Das ist inkompetent", steht laut Post in dem Brief, und weiter: "Fünf Menschen mussten deshalb sterben."

Gemeint ist offensichtlich, dass der Täter jeweils nach einer gescheiterten Kontaktaufnahme zur Unterstützung seiner Forderungen ein weiteres Attentat verübte. Unklar blieb noch, wann der Heckenschütze mit seinen Kontaktversuchen begann.

Außerdem warnte der Briefschreiber die Fahnder: "Wenn Sie mehr an der Beendigung der Morde als an Festnahmen interessiert sind, sollten Sie meinen Anweisungen präzise folgen, sonst wird es weitere Leichensäcke geben." Mit Anweisungen ist vor allem die Forderung nach zehn Millionen Dollar gemeint.

Die Post nennt als Quelle dieser Informationen einen Ermittler, der über eine Kopie des drei Seiten langen Briefs verfüge. Er sei handgeschrieben, in mangelhaftem Englisch (Grammatik- und Rechtschreibfehler). Am Schluss steht demnach auch noch die ominöse Drohung: "Eure Kinder sind nicht sicher, nirgend-wo und niemals."

Auch die Bemerkung "Ich bin Gott", die auf einer Tage zuvor bei einem anderen Tatort gefundenen Tarotkarte stand, findet sich in dem Brief, den der Heckenschütze - sauber in Plastik verpackt - hinterlegt hat. (AFP, red, DER STANDARD Printausgabe 24.10.2004)

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