Reichhold spekuliert mit Fortsetzung von Schwarz-Blau

23. Oktober 2002, 22:39
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FP-Chef warnt bei Wahlauftakt vor "Cocktails aus der rot-grünen Giftküche"

Wien - Der freiheitliche Spitzenkandidat für die Nationalratswahl, Mathias Reichhold, hat sich beim FP-Wahlkampfauftakt im Wiener Nobelhotel Intercontinental ganz auf eine mögliche rot-grüne Koalition eingeschossen. Bei seiner rund 45-minütigen Rede warnte der FPÖ-Chef vor "Cocktails aus der rot-grünen Giftküche". Unter anderem würde es seiner Einschätzung nach unter rot-grün drastische Pensionskürzungen, "Haschisch in der Trafik", eine Einheitsschule von sechs bis 18 ohne Noten geben. Überdies würde das Benzin noch teurer "und das Autofahren zum Luxus".

Besonders warnte Reichhold davor, dass SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer Bundeskanzler werden könnte. Bezug nehmend darauf, dass der SPÖ-Vorsitzende während der Hochwasserkatastrophe im Ausland auf Urlaub war, meinte der freiheitliche Spitzenkandidat: "Jemand der in der Stunde der Not das Land verlässt, der darf nicht Bundeskanzler werden". Die FPÖ müsse dafür sorgen, dass "Gusenbauer wieder in der Opposition bleibt". Jemand, der sich im Kreis "der Österreich-Vernaderer" wohl fühle, habe in einer Regierung nichts verloren, spielte Reichhold auf die Zeit der Sanktionen an.

"Schüssel hat uns voll erwischt"

Nur kurz war die Warnung des FPÖ-Chefs bezüglich dem bisherigen Koalitionspartner: "Wir müssen auch auf die ÖVP aufpassen. Freilich sind wir selber in Turbulenzen geraten, aber ausgerufen hat die Wahl Schüssel und er hat uns in einer schwierigen Phase voll erwischt. Aber wer glaubt, uns damit umzubringen können, hat sich getäuscht". Auf Koalitionsaussagen legte sich der FPÖ-Chef in seiner Rede zwar nicht fest, betonte aber die Notwendigkeit einer weiteren freiheitlichen Regierungsbeteiligung.

Inhaltlich begnügte sich Reichhold in seiner von vielen Versprechern gekennzeichneten Rede damit, Maßnahmen der schwarz-blauen Regierung wie Kindergeld oder Integrationsvertrag hervorzuheben. Für die Zukunft versprach er neben einem 1.000-Euro-Mindestlohn und einer Ausweitung des Kindergelds auf Mehrlingsgeburten sowie eine Anhebung der Zuverdienstgrenzen eine harte Haltung bei der EU-Erweiterung. Die Forderung der Freiheitlichen nach einer Beseitigung von Benes-Dekreten und Amnestie-Gesetz sieht er als eine "logische Antwort der FPÖ" auf die Verbrechen, die begangen wurden. Weiters garantierte Reichhold, dass man in Sachen Temelin unverändert das Ziel einer Nullvariante anstrebe. Auch dürfe durch die Beitritte der osteuropäischen Länder der österreichische Beitrag zum EU-Budget nicht anwachsen.

Appell für "Bild der Geschlossenheit"

Trotz dieser Einwände betonte Reichhold, dass seine Partei prinzipiell zur Union stehe: "Ich sage es ganz deutlich, die FPÖ ist keine Anti-EU-Partei". Zum Abschluss seiner Rede appellierte Reichhold an alle Funktionäre, ein Bild der Geschlossenheit zu bilden und auch tatsächlich zusammen zu arbeiten und zusammen zu stehen. Wenn dies gelinge, werde die FPÖ "einen guten achtbaren Erfolg nach Hause bringen".

"Keine Angst vor schlechtem Ergebnis"

"Keine Angst vor einem schlechten Ergebnis" bei den Nationalratswahlen am 24. November" so Reichhold Mittwoch abend in der "ZIB 2". Befragt, ab welchem Ergebnis er in Opposition gehen würde, wollte er keine Prozentzahl nennen und meinte gleichzeitig, "ich bin überzeugt, dass wir mit der ÖVP" den Reformweg fortsetzen können.

Gerüchte, wonach er frustriert und wenig motiviert sei und alle paar Tage sage, alles hinschmeißen zu wollen, stimmten "überhaupt nicht". Er habe den Eindruck, dass diese Meinung offenbar so an die Medien transportiert werde, um der FPÖ zu schaden. Die Freiheitlichen hätten einen guten Wahlkampf hinter sich gebracht, "der Blick ist vorwärts gewandt". Er wolle im Intensivwahlkampf noch viele Unentschlossene von der FPÖ überzeugen.(APA)

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    Österreich-Vernaderer hätten in der Regierung nichts verloren, meint der FP-Spitzenkandidat Reichhold.

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