Heckenschütze will Millionen

23. Oktober 2002, 20:15
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Täter kritisiert Polizeipannen - was den Tod von fünf Menschen zur Folge gehabt habe...

Washington - Zehn Millionen Dollar fordert der Heckenschütze von Washington, der seit Anfang Oktober zehn Menschen erschossen hat. Wie aus einem nun bekannt gewordenen Brief hervorgeht, den der Täter an einem Tatort hinterlassen hatte, droht er auch, künftig auf Kinder zu schießen. Die Sicherheitsbestimmungen für Schulen wurden drastisch verschärft.

In dem beim Tatort vom Samstag hinterlegten Brief kritisiert der Täter auch, dass seine Anrufe bei der Polizei ignoriert worden seien, was den Tod von fünf Menschen zur Folge gehabt habe. Der dafür verantwortliche Polizeichef Charles Moose ging auf die Kritik nicht direkt ein, sprach aber von technischen Kommunikationsproblemen beim Kontakt mit dem Sniper. Außerdem seien die Anrufe kaum verständlich gewesen.

Moose erklärte in einem TV-Appell an den Serienmörder, die geforderte elektronische Überweisung der Geldsumme sei nicht möglich. Er forderte den Sniper auf, erneut Telefonkontakt mit der Polizei aufzunehmen, um neue Bedingungen auszuhandeln, "ohne dass weitere Menschen verletzt werden".

Drohung, künftig gezielt auf Kinder zu schießen

Mit der Drohung, künftig gezielt auf Kinder zu schießen, hat der Serienmörder von Washington die Angst in der Bevölkerung am Mittwoch weiter angeheizt. Jeder der fünf Millionen Bewohner im Großraum Washington könne das nächste Ziel sein, warnte Polizeichef Charles Moose. Der Inhalt des am Samstag gefundenen Briefs (siehe Bericht unten) mache besondere Wachsamkeit zum Gebot. Nach Informationen der Washington Post forderte der Serienmörder zehn Millionen Dollar. Er hat bisher bereits 13-mal zugeschlagen und dabei zehn Menschen getötet.

Der Heckenschütze habe seinen Willen und seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, Menschen jeglichen Alters, Geschlechts und Berufs zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten zu töten, warnte Moose.

"Mehr als Gewalt"

In einer im Fernsehen übertragen Botschaft richtete sich die Polizei erneut direkt an den Heckenschützen. "Sie haben gesagt, dass es sich um mehr als simple Gewalt handelt", sagte Moose. "Wir warten auf Ihre Neuigkeiten." Er bezog sich damit offenbar auf eine Nachricht, die der mutmaßliche Täter Samstagabend an einem Tatort in Ashland (Virginia) hinterlassen hatte. Laut einem Bericht der Zeitung Baltimore Sun hinterließ der Täter in der Nähe des vorerst letzten Tatorts vom Dienstag einen weiteren Brief. Darin würden die Forderungen des ersten Schreibens wiederholt.

Die Kommunikationsprobleme zwischen der Polizei und dem Heckenschützen lassen inzwischen Kritik an der Arbeit der Ermittler aufkommen. Die laut Post in dem ersten Brief erhobenen Vorwürfe des Snipers, die Polizei habe sechs seiner Anrufe ignoriert, kommentierte Moose nicht direkt. Ein Polizeisprecher sagte, der Anrufer habe so undeutlich gesprochen, dass die Polizeimitarbeiter nicht erkennen konnten, um was es geht. Zusätzlich sei der Ton ein extrem zorniger gewesen, es seien Sätze gefallen wie "Halt den Mund und hör zu!" oder "Ich bin im Angriff!".

Termin

Ein Ermittler sagte, der Täter habe in seinem Brief eine Telefonnummer angegeben und einen exakten Zeitpunkt, zu dem er angerufen werden möchte. Die Polizei wäre aber nicht rechtzeitig mit der Überprüfung des Briefs und der Durchschaltung der Telefonnummer für Fahndungszwecke fertig geworden. Der Termin sei verstrichen, ohne dass es zu einem Anruf gekommen sei.

Die Forderung des Heckenschützen nach den zehn Millionen Dollar sind laut Polizeichef Moose so nicht erfüllbar, in einem TV-Aufruf an den Täter sagte er: "Auf die elektronische Art, wie Sie es fordern, geht das nicht. Rufen Sie uns wieder unter der bereits verwendeten Nummer an, wenn es für Sie besser ist, können wir auch eine private Callbox-Nummer einrichten oder eine andere für Sie sichere Methode finden. Es ist wichtig, das wir das tun, ohne dass weitere Menschen verletzt werden." (red, DER STANDARD Printausgabe 24.10.2002)

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    Polizeichef Charles Moose immer mehr unter Druck

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