Kulturkampf um Goldhauben

24. Oktober 2002, 12:40
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Aufregung um Broschüre mit dunkelhäutiger Trachtträgerin

Linz - Rund 18.000 Goldhaubenträgerinnen gibt es in Oberösterreich. In vielen Köpfen werden sie mit veralteten Traditionen assoziiert. Mit einem neuen Folder will die Goldhauben-Landesgruppe das Image nun verbessern. Und sorgt für Diskussionen: Denn auf einem Bild der Broschüre ist eine dunkelhäutige Goldhaubenträgerin zu sehen.

Am Mittwoch wurde der neue Folder in Linz präsentiert. Landesobfrau Martina Pühringer gestand ein, dass es intern "kleinere Meinungsverschiedenheiten" um das Bild gegeben habe, die aber mittlerweile beigelegt seien. Die Werbemaßnahme demonstriere, wie lebendig die Trachtenkultur sei.

Die Volksseele scheint das teilweise anders zu sehen. Im Onlineforum des ORF-Landesstudios finden sich Einträge wie "Sieht genauso lächerlich aus, als würde eine Europäerin einen afrikanischen Leder-Lendenschurz tragen und oben ohne herumgehen." Auch "Möchte wissen, was die Neger sagen würden, wenn in einem Katalog eine weiße Frau für Mode aus dem afrikanischen Kontinent wirbt und dies aber in Afrika !!!!!!!" ist zu lesen.

Die 21-jährige Studentin Sharon, um die sich die Aufregung dreht, versteht "das Trara" nicht ganz. Seit ihrer Kindheit trägt die gebürtige Österreicherin mit US-amerikanischem Vater Goldhauben ihrer Großmutter. In der kleinen Gemeinde, in der sie aufgewachsen ist, sei ihre Hautfarbe nie ein Problem gewesen, beteuert sie. Sich über Rassisten zu ärgern, bringe aber ohnehin nichts: "Es gibt immer solche und solche, wenn man sich da aufregt, kommt man zu gar nichts mehr." (moe, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 24.10.2002)

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