Interview: Roman Wallner im Gespräch

28. Oktober 2003, 09:50
17 Postings

derStandard.at sah sich vor dem Derby am Sonntag in Hütteldorf um und bat den Rapid-Stürmer Roman Wallner zum Gespräch: "Die Austria braucht keinen Trainer"

Wenige Tage vor dem 231 Wiener Derby zwischen Rapid und Austria im neu renovierten Hanappi-Stadion war derStandard.at zu Besuch in Hütteldorf. Bei dieser Gelegenheit wurde mit Rapid-Stürmer Roman Wallner über seine Karriere, Rapid und Austria geplaudert.

derStandard.at: Sie haben einmal beiläufig erwähnt, dass Sie sich Ihr "Hobby zum Beruf gemacht" haben. Ist Fußball Ihre liebste Beschäftigung?
Roman Wallner: Ja natürlich. Ich habe Glück gehabt, dass ich mein Vorhaben, Profifußballer zu werden, verwirklichen konnte. Bereits mit sechs bin ich in Graz zum Verein (Anm.: Sturm) gegangen. Über den Nachwuchs bin ich dann in die Kampfmannschaft gekommen. Mit 17 Jahren wechselte ich zu Rapid.

derStandard.at: Sie haben kein Bundesligaspiel für Sturm bestritten, aber Sie waren damals bereits einmal international im Einsatz.
Roman Wallner: Das war in der Champions League '98 gegen Inter Mailand. Damals waren noch Ronaldo und Baggio bei Inter. Das war schon was besonderes.

derStandard.at: Trainer Hickersberger hat sie mit Gerd Müller verglichen. Gefällt Ihnen der Vergleich?
Roman Wallner: Ich glaube, dass dies eine große Ehre ist. Wahrscheinlich kam der Vergleich zustande, weil er auch ein kleiner Stürmer war.

derStandard.at: Gibt es einen Wunschverein - außer Rapid - bei dem Sie sofort unterschreiben würden?
Roman Wallner: Real Madrid, oder Milan, das wär schon was. Aber das spielt's ohnehin nicht.

derStandard.at: Welche Liga begeistert, reizt Sie am meisten?
Roman Wallner: England. Dort wird interessanter Fußball gespielt und die Atmosphäre in den Stadien ist etwas besonderes.

derStandard.at: Mussten Sie größere Veränderungen Ihrer Lebensweise unternehmen, als Sie vom Nachwuchsspieler in das Profigeschäft wechselten?
Roman Wallner: Eigentlich nicht. Ich hab mit 14, 15 schon regelmäßig und täglich trainiert, daher bin ich automatisch in die Sache hineingewachsen. Natürlich war das Traingsausmaß, als ich noch zur Schule ging, geringer.

derStandard.at: Gibt es durch das Profitum irgendwelche Einschränkungen das persönliche Leben, die Abendgestaltung betreffend?
Roman Wallner: Klar, man kann nirgendwo hingehen, ohne dass man erkannt wird. Aber mich stört das eigentlich nicht.

derStandard.at: Ist die Ernährung den Spielern überlassen oder sind Richtlinien vorgegeben?
Roman Wallner: Es gab und gibt diesbezüglich keine wirklichen Vorschriften. Natürlich gibt es gewisse Regeln an die sich, so glaube ich, jeder hält. Ich versuche möglichst das zu essen, was mir Kraft gibt.

derStandard.at: Wird bei Rapid auf mentales Training wert gelegt, oder wird dies in speziellen Fällen angeboten?
Roman Wallner: Nein, bis jetzt gab es soetwas nicht.

derStandard.at: Ist die derzeitige Rapidmannschaft eine eingeschworene Truppe, oder muss das Team erst zusammenwachsen?
Roman Wallner: Wir haben keinen allzu großen Kader. Vielleicht verstehen wir uns deshalb so gut. Man muss schauen, dass man keine Gesperrten hat, Verletzungen vermeiden, so gut es eben geht.

derStandard.at: Wie klappt die Integration von ausländischen Spielern?
Roman Wallner: Da gibt es überhaupt kein Problem. Es gibt eigenes Lehrpersonal und Sprachunterricht. Auch ich wurde freundlich aufgenommen. Ich habe mich hier von Anfang an wohl gefühlt. Auch mit den alten Spielern, wie Peter Schöttel gibt es kein Problem. Wir sind alle Profis.

derStandard.at: Gibt es auch abseits von Spiel und Training gemeinsame Aktivitäten?
Roman Wallner: Ab und zu trifft man sich schon. Aber es hat jeder Familie und außerdem sieht man sich ohnehin fast täglich beim Training. Natürlich gibt es manche, die sich besser verstehen, öfter gemeinsam Karten spielen,...

derStandard.at: Was halten sie von Saoud Fath und Adel Jadoua? Wäre zweiterer ein geeigneter Sturmpartner?
Roman Wallner: Das sind zwei Gute. Adel hat schon gegen Bregenz gezeigt, was er kann. (Anm.: Er erzielte das 1:1 (86.), ehe Sobotzik in der 90. Minute der Siegestreffer gelang.) Saoud kennen die Fans ohnehin schon besser. Es ist nicht leicht, gegen ihn zu spielen.

derStandard.at: Es wird gemunkelt, ihr Verhältnis zu Andreas Herzog sei nicht das beste. Bloß ein Gerücht, oder ist mehr dran?
Roman Wallner: Das stimmt nicht. Allerdings kann es in der besten Freundschaft zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Ich glaube auch von seiner Seite gibt es kein Problem.

derStandard.at: Wann wird Rapid wieder Meister?
Roman Wallner: (lachend) Das wird noch ein wenig dauern.

derStandard.at: Woran lag es, dass es unter der Regie von Lothar Matthäus mit Rapid eher stetig bergab ging? Lag es am Training, fehlte die mannschaftliche Geschlossenheit?
Roman Wallner: Hätten wir das damals gewusst, dann wäre es nicht dermaßen bergabgegangen. Am Training lag es sicher nicht. Natürlich hat jeder Coach ein anderes Programm. Aber, wenn man Erfolg hat, dann läuft es eben und man weiß oft gar nicht warum. Aber darüber sollten wir jetzt nicht mehr sprechen, die Sache ist erledigt.

derStandard.at: Ist der österreichische Fußball auf einem guten Weg, oder krankt es in manchen Bereichen?
Roman Wallner: Besser wäre es für den österreichischen Fußball, wenn mehrere Vereine über einen längeren Zeitraum international tätig sind. So wie das Sturm oder Salzburg ansatzweise geschafft haben. Dadurch würde das Niveau angehoben, bessere Spieler würden kommen. Aber vermutlich scheitert es am Geld.

derStandard.at: Wo könnte man ansetzen, um international wieder mehr Geltung zu erlangen?
Roman Wallner: Der Nachwuchs ist sehr wichtig. In Österreich werden allerdings gerne ausländische Spieler engagiert, die dann aber auch nicht die gewünschten Leistungen bringen. Nimmt man das Beispiel Holland, so sieht man deutlich, was Nachwuchsarbeit bringt. In Österreich wird es wohl noch etwas dauern, bis verstärkt junge Spieler nachkommen.

derStandard.at: Austrias Personalpolitik unterliegt einem ständigen Kommen und Gehen. Glauben Sie, Frank Stronach hat mit seinem Rezept Erfolg?
Roman Wallner: Ich glaube, dass vor allem die Mannschaft darunter leidet. Zur Zeit haben sie allerdings ein sehr starkes Team und zumindest national brauchen sie niemanden fürchten. Die derzeitige Austria ist meiner Meinung nach eine derart gute Mannschaft, dass sie für die Bundesliga eigentlich keinen Trainer brauchen würde.

derStandard.at: Glauben Sie, dass Daum ein besserer Trainer als Schachner ist?
Roman Wallner: Das kann ich nicht sagen. Nur Daum hat schon mehr Erfolg gehabt, ist allerdings auch schon länger im Geschäft. Aber unser Trainer ist ohnehin der beste.

derStandard.at: Ist Stronachs Engagement in der Bundesliga schädlich für den Wettbewerb in der heimischen Liga?
Roman Wallner: Das würde ich nicht sagen. Stronach wertet den österreichischen Fußball auf. Auch der Bekanntheitsgrad der Liga nimmt dadurch über die Grenzen hinaus zu.

derStandard.at: Was ist Ihrer Meinung nach ein schöneres Erlebnis. Ein Erfolg mit Rapid beim Derby, oder ein Sieg mit dem Nationalteam?
Roman Wallner: Beides ist wunderbar.

derStandard.at: Wie lautet Ihr Tipp für das Derby?
Roman Wallner: 2:0 für Rapid.

derStandard.at: Ich bedanke mich für das Gespräch. (Das Interview führte derStandard.at-Redakteur Thomas Hirner)

Link

Rapid

  • Roman Wallner
    foto: derstandard.at/hirner

    Roman Wallner

Share if you care.