Neues Blatt trotz Krise

23. Oktober 2002, 18:56
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Linksliberale Tageszeitung für Italien gestartet

Was Antonio Polito als "Herausforderung" wertet, gilt vielen als Selbstmordkommando: die Gründung einer neuen Tageszeitung auf dem krisengeschüttelten italienischen Markt.

Polito ist Chefredakteur der neuen Tageszeitung "Il Riformista", die am Mittwoch erstmals am Kiosk verkauft wurde. Mit nur fünf ständigen Redakteuren, einer Auflage von 100.000 Exemplaren zum Stückpreis von einem Euro und einer Reihe hochkarätiger Mitarbeiter will Polito sein linksliberales Blatt am Zeitungsmarkt etablieren.

Der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung "La Repubblica" und langjährige Korrespondent des Blattes in London wertet sein Blatt als qualifiziertes Nischenprodukt: wenige Seiten, kaum Fotos, interessante Beiträge, britische Aufmachung.

"Unser Zielpublikum sind reformfreudige Leser aller politischen Richtungen", versichert Polito. Für "keineswegs reformfreudig" hält der Chefredakteur im linken Lager vor allem einen: Sergio Cofferati, den langjährigen Chef der größten Gewerkschaft CGIL. Seine Zeitung werde "die Tabus der alten Linken ebenso an den Pranger stellen wie die Mißerfolge der neuen Rechten", verspricht Polito.

Mitbegründer des Riformista, der fünfmal wöchentlich erscheint, ist Claudio Velardi, einer der engsten Berater des früheren Ministerpräsidenten D Alema. (Gerhard Mumelter/DER STANDARD, Printausgabe vom 24.10.2002)

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