Stadtflucht in Italien

23. Oktober 2002, 19:21
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Metropolen aber auch Kunststädte wie Florenz verlieren bereits bis an die zehn Prozent ihrer Einwohner

Rom - Die Italiener flüchten aus den Metropolen. Die neun größten Städte des Landes haben seit 1991 zehn Prozent ihrer Einwohner verloren. Besonders ausgeprägt ist der Trend in der Industriehauptstadt Mailand, deren Einwohnerzahl seit 1991 um 13,6 Prozent auf 1,18 Millionen Einwohner zurückgegangen ist. Wie aus der Volkszählung 2001 hervorgeht, haben auch viele Römer der chaotischen Hauptstadt den Rücken gekehrt: Die Bevölkerungszahl der "Ewigen Stadt" sank seit 1991 um zehn Prozent auf 2,45 Millionen.

Sogar Kunststädte wie Florenz sind nicht mehr besonders begehrt. Die toskanische Hauptstadt verlor 12,7 Prozent ihrer Einwohner und ist von 403.000 auf 352.000 Personen geschrumpft.

Zu viel Chaos und Luftverschmutzung

Zu viel Chaos und Luftverschmutzung, ineffiziente öffentliche Verkehrsmittel und hohe Mieten treiben immer mehr Italiener in kleinere Ortschaften, die nicht zu weit von den größeren Zentren entfernt liegen. Der Trend zeigt sich vor allem bei Familien mit Kindern.

Leben in Gemeinden unter 20.000 Einwohner ist billiger

Das Leben in Gemeinden unter 20.000 Einwohner ist billiger und menschlicher. Das behauptet der deutsche Stadtforscher Bernard Winkler, der eine Studie über den Exodus aus den italienischen Metropolen durchgeführt hat. Die Bevölkerungszahl der Metropolen sei stark gesunken, die Randortschaften hätten jedoch eine enorme Expansion erlebt.

"Man kann auf Großstädte nicht verzichten, wir müssen nur einen Weg finden, sie menschlicher zu gestalten. Städte wie Paris, London und Stockholm haben ein öffentliches Verkehrsnetz, dank dem man auf Autos ruhig verzichten kann. Nur Italien hat sich nicht angepasst. Hier sind die öffentlichen Verkehrsmittel noch auf einem Stand wie vor 50 Jahren", so Winkler. (APA)

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    In kleinen Dörfern und Städten lebt es sich sauberer und billiger

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