Schröder-Vertrauter wird "Europaminister"

23. Oktober 2002, 20:01
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Bury wechselt vom Kanzleramt ins Außenministerium - CDU/CSU hat neue Fraktionsspitze

Mit einem geschickten Schachzug hat sich der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder einen direkten Draht ins Auswärtige Amt gesichert. Der bisherige Kanzleramtsminister Hans Martin Bury (SPD) wechselt als Staatsminister - zuständig für Europa - ins Ressort des grünen Außenministers Joschka Fischer. Als Staatsminister ist er de facto Stellvertreter des Ministers und steht in der Hierarchie höher als ein Staatssekretär.

Damit ist gewährleistet, dass Schröder durch seinen Vertrauten über die Europapolitik auf dem Laufenden gehalten wird. Den Kampf um die Europakompetenzen hat Schröder nach dem Zugewinn der Grünen bei der Wahl, der ein Weiterregieren von Rot-Grün ermöglichte, verloren gegeben. Eigentlich wollte Schröder ein eigenes Europaministerium oder die Zuständigkeit dafür im Kanzleramt ansiedeln.

Der 36-jährige Bury gehört der jüngeren SPD-Generation an, die sich in der zweiten Reihe auf höhere Weichen vorbereitet: Die 38-jährige baden-württembergische SPD-Chefin Ute Vogt ist neue Staatssekretärin im Innenministerium, der 41-jährige Thüringer SPD-Chef Christoph Matschie Amtskollege im Bildungsministerium.

Die Union wählte am Mittwoch ihre Fraktionsspitze: CDU-Chefin Angela Merkel konnte Friedrich Merz, der ihr im Kampf um den Fraktionsvorsitz unterlegen war, überzeugen, einer ihrer Stellvertreter - zuständig für Wirtschaft, Arbeit, Finanzen - zu werden. Auch Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble ist Merkels Vize. Katherina Reiche (28, ledige Mutter), die als Familienministerin vorgesehen war, wurde die Zuständigkeit für Familienpolitik entzogen. Sie ist nun forschungspolitische Sprecherin.(DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2002)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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    Miteinander gut vertraut: Kanzler Schröder und der neue "Europaminister" Bury

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