Waffen aus Jugoslawien für den Irak

23. Oktober 2002, 18:57
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Probleme für Serbiens Innenminister

Die serbische Handelsfirma "Jugoimport" würde über das bosnische Unternehmen "Orao" in Jugoslawien hergestellte Waffen und Teile für Kampfflugzeuge dem Irak verkaufen und permanent das UN-Embargo brechen, schrieb die Belgrader Tageszeitung Blic und löste Aufregung im jugoslawischen Außenministerium aus. Die Panik war perfekt, als auch Washington bestätigte, "Informationen und Beweise" über den illegalen Waffenhandel zu besitzen und von den jugoslawischen Behörden eine dringende Ermittlung forderte. Die jugoslawische Bundesregierung entließ kurzerhand Vizeverteidigungsminister General Ivan Djokic und den in Serbien mächtigen Generaldirektor von "Jugoimport", Jovan Cekovic. Besonders peinlich für Belgrad ist, dass Serbiens Innenminister und Vizepremier, Dusan Mihajlovic, gleichzeitig als Vorsitzender des Aufsichtsrats von "Jugoimport" tätig ist. Er habe über den Waffenhandel mit dem Irak nichts gewusst, erklärte Mihajlovic und versprach eine gründliche Untersuchung. Jugoslawien sei ein Mitglied "der internationalen Front im Kampf gegen den Terrorismus" und würde alle seine Verpflichtungen erfüllen. Der Vorfall könnte jedoch die Mitgliedschaft Jugoslawiens in der Partnerschaft für den Frieden verschieben. Die jugoslawisch-irakische Freundschaft ist traditionell, im Iran-Irak-Krieg war das damalige Jugoslawien einer der wichtigsten Waffenlieferanten des Irak.

Djindjic gibt Kostunica Mitverantwortung für Irak-Geschäft

Der serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic hat den jugoslawischen Präsidenten Vojislav Kostunica für die mutmaßliche Verstrickung der jugoslawischen Armee in illegale Waffengeschäfte mit dem Irak mit verantwortlich gemacht. Kostunica habe verhindert, dass ein Gesetz zur zivilen Kontrolle der Armee umgesetzt worden sei, sagte Djindjic am Mittwoch in Belgrad.

Auch die Regierung der serbischen Teilrepublik in Bosnien-Herzegowina räumte am Mittwoch ein, dass eine in der Teilrepublik ansässige Firma Waffenteile in den Irak geliefert habe. (red/APA/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2002)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad
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