"Quatsch-Ranking"

23. Oktober 2002, 18:07
posten

Bertelsmann bei Medienranking nur noch Nummer acht - Unternehmen widerspricht

Die Bertelsmann AG ist in einer Aufstellung der weltweit größten Medienkonzerne auf den achten Rang zurückgefallen. Der Gütersloher Konzern (Umsatz 2001: 20,036 Milliarden Euro) rangiert hinter AOL Time Warner (42,7 Milliarden Euro), Microsoft (31,7), Walt Disney (28,2), Vivendi Universal (28,1), Viacom (25,9) AT&T Comcast (21,7) und den Medienaktivitäten von Sony (21 Milliarden Euro).

Die 50 führenden Medienunternehmen

In der am Mittwoch vorgelegten Untersuchung über die 50 führenden Medienunternehmen der Welt der Kölner Medienforscher Lutz Hachmeister und Günther Rager war Bertelsmann Mitte der 90er Jahre noch auf Platz 1 gesetzt worden. Bertelsmann bezeichnete in einer Stellungnahme die Untersuchung als "Quatsch-Ranking". "Die Rangliste enthält Unternehmen, die üblicherweise nicht als Medienunternehmen definiert werden", sagte Unternehmenssprecher Oliver Herrgesell. Man vergleiche "Äpfel mit Birnen".

Nach der Studie unter dem Titel "Wer beherrscht die Medien?" hat die globale Medienkonzentration stark zugenommen. Die Top-50-Konzerne konnten ihre Umsätze zwischen 1997 und 2001 um 157 Prozent auf 415 Milliarden Euro steigern. Die Aktienkurse stürzten unterdessen jedoch in den Keller. Allein AOL Time Warner habe seit seiner Fusion im Jahr 2000 an der Börse 117 Milliarden Euro "vernichtet".

"Signifikanten Arbeitslosigkeit" auch unter Journalisten

Die Branche, in der es im internationalen Maßstab erstmals zu einer "signifikanten Arbeitslosigkeit" auch unter Journalisten komme, befinde sich über die rein ökonomischen Faktoren hinaus in einer tiefen Identitätskrise. Die Vision eines sich selbst befruchtenden Medien-Kapitalismus habe sich als Illusion erwiesen. Nationale Medienpolitik könne in die Konzernstrategien wenig eingreifen, aber durch eine vernünftige Mittelstandspolitik "Vielfalt sichern und gegensteuern".

In dem Ranking werden weltweit alle Firmen erfasst, deren Aktivitäten sich deutlich auf Medieninhalte erstrecken. Reine Telekommunikationsanbieter werden nicht berücksichtigt. Die Untersuchung erschien erstmals 1997 im Verlag C.H. Beck. (APA/dpa)

  • Artikelbild
    foto: epa/ossinger
Share if you care.