UNO-Reformpläne verstimmen Genf

23. Oktober 2002, 17:22
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Die dreizehn UNO-Informationszentren in Europa sollen angeblich in Brüssel konzentriert werden

Genf - Die angeblich angestrebte Konzentration der UNO-Informationszentren auf einen einzigen Standort in Brüssel sorgt für Unmut in der Schweiz. Der Reformplan stößt laut einer Meldung der Schweizer Nachrichtenagentur sda in Genfer Diplomaten- und Journalistenkreisen auf großen Widerstand. Die Schweiz als Gastgeberland ist beunruhigt, wie UNO-Botschafter Jean-Marc Boulgaris am Dienstagabend vor Journalisten in Genf zu verstehen gab. Ende September war bekannt geworden, dass im Zuge von Reformen auch die 13 UNO-Informationszentren in Europa zusammengelegt werden sollen. Allerdings war vorerst unklar gewesen, wo sich der neue Hauptsitz befinden sollte.

Redimensionierungen als Einsparungspotential

Die Vereinten Nationen verfügen derzeit über 71 so genannte Informationszentren in aller Welt. Allein in Europa sind es 13. UNO-Generalsekretär Kofi Annan präsentierte deshalb Ende September Pläne für eine Redimensionierung, die Einsparungen mit sich bringen soll. Offiziell wird die Schweiz laut der Agenturmeldung ihre Missbilligung der Pläne am 30.Oktober zum Ausdruck bringen. Für diesen Tag ist auch eine Debatte der UNO-Generalversammlung vorgesehen.

Genf kritisiert Zusammenlegung wäre nicht effizient

UNO-Botschafter Boulgaris wies darauf hin, dass man im Abstimmungskampf für einen Schweizer UNO-Beitritt geltend gemacht habe, die Interessen von Genf könnten als Vollmitglied besser wahrgenommen werden. Jetzt sei der Moment zum Reagieren gekommen. Seiner Ansicht nach bringt die geplante Konzentration auf den Standort Brüssel keinen Effizienzgewinn mit sich.

Konzentration auf Genf statt Brüssel sei sinnvoller

Bob Kroon, der die Vereinigung der bei der UNO akkreditierten Journalisten präsidiert, teilte diese Ansicht. Die 700 Journalisten in Brüssel seien schon heute vom Papieraufkommen der EU stark gefordert und müssten zudem die NATO-Berichterstattung sicherstellen. Unter diesen Umständen könnten sie sich kaum noch der UNO widmen, fürchtet Kroon. Sollten Einsparungen nötig sein, wäre eine Konzentration auf den Standort Genf seiner Ansicht nach sinnvoller. (APA/sda)

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