Preiskampf zwischen deutschen Billigfluglinien

23. Oktober 2002, 17:12
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Neulinge vor Start

Köln - Zwischen den Billigfluganbietern in Deutschland zeichnet sich noch vor dem Start der beiden Neulinge Germanwings und Hapag-Lloyd Express ein harter Preiskampf ab. Die zum Reisekonzern TUI gehörende Hapag-Lloyd Express kündigte am Mittwoch an, sie werde von Köln aus ab Dezember Flüge zu innerdeutschen wie europäischen Zielen ab 19,99 Euro pro Strecke inklusive Gebühren und Steuern anbieten. Die TUI-Tochter unterbietet damit deutlich den Streckenpreis von 29 Euro, den die mit Lufthansa verbundene Germanwings verlangt. Germanwings fliegt ab Sonntag ebenfalls von Köln-Bonn aus zu europäischen Zielen.

Hapag-Lloyd Express wird zwar nur mit vier statt der bisher geplanten acht Flugzeuge starten, kündigte aber an, schnell wachsen zu wollen. Der weltgrößte Touristikkonzern TUI hat sich zum Ziel gesetzt, binnen kurzer Zeit die Marktführerschaft bei Billigflügen zu erreichen.

Komplettpreise

Auf den bevorstehenden Markteinstieg von Germanwings hatte zuvor bereits die Deutsche BA reagiert, indem sie die Grundpreise für die Konkurrenzstrecke zwischen Köln und Berlin auf bis zu zehn Euro senkte. Zu diesem Grundpreis kommen noch elf bis 15 Euro für Steuern und Gebühren hinzu. Hapag-Lloyd Express und Germanwings dagegen berechnen ihre Preise als Komplettpreise. Germanwings fliegt nach Barcelona, London-Stansted, Madrid, Mailand-Malpensa, Nizza, Paris-Charles de Gaulle, Rom, Wien, Zürich und Berlin-Tegel. Am Germanwings-Mutterkonzern Eurowings ist die Lufthansa mit knapp 25 Prozent beteiligt.

Hapag-Lloyd Express wird ebenfalls von Köln-Bonn aus Flüge nach Hamburg, Berlin, London-Luton, Mailand-Bergamo, Venedig, Neapel und Pisa anbieten, kündigte Vorstandschef Wolfgang Kurth an. Die Strecke Köln-Berlin übernehme die neue Billigfluglinie vom Kooperationspartner Germania, die Preise würden künftig von Hapag-Lloyd Express festgesetzt. Die Germania-Strecke Frankfurt-Berlin bleibe davon unberührt.

Bereits im kommenden Frühjahr sollen neue Strecken und weitere Flugzeuge hinzukommen, kündigte Kurth an. Für das erste Jahr erwarte er 1,3 Millionen Passagiere. Bis Ende 2003 werde die Flotte voraussichtlich auf zwölf Flugzeuge anwachsen. Auch Mietwagen, Hotels und Versicherungen wolle Hapag-Lloyd Express bald im Internet anbieten. Schwarze Zahlen solle das Unternehmen in drei Jahren schreiben.

Auch über Reisebüros

Ein Vorteil für Hapag-Lloyd Express sei, dass die Flugscheine ab Ende November auch über Reisebüros zu buchen seien, sagte Kurth. Er gehe davon aus, dass zumindest in der Anfangszeit mehr als die Hälfte der Kunden ihren Flug in Reisebüros reservieren würden. Sie müssten dann wie bei der Buchung über ein Callcenter einen Aufschlag von 07,50 Euro für die Dienstleistung bezahlen. Üblicherweise lassen sich Tickets für Billigfluglinien nur über Internet oder per Telefon über Callcenter bestellen.

Online-Verkauf ausbaufähig

Derzeit buchen in Deutschland nach den Worten Kurths insgesamt nur etwa vier bis neun Prozent der Fluggäste ihre Tickets online, während die Internet-Quote bei Billigfluglinien wie der irischen Ryanair und der britischen Easyjet bei rund 90 Prozent liegt. (APA/Reuters)

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